Theater Vorpommern – Kleider machen Leute

Theater Greifswald
Theater Greifswald

Gut getroffen hat es Wenzel Strapinski (Bragi Bergthórsson) in seinem Leben nicht, der finanziell klamme alte Schneidermeister (Dirk Löschner) schuldet ihm seinen Lohn, ihm bleibt daher nur die Möglichkeit aus Seldwyia wegzugehen und in der Nachbarstadt Goldach eine neue Stelle zu suchen. Ausgestattet mit einer von ihm selbst genähten Kleidung eines Edelmannes begibt er sich auf den Weg. In seiner Novelle lässt Gottfried Keller seinen Protagonisten aber ein anderes Schicksal zustoßen, eines mit dem er der Gesellschaft einen Spiegel vorhält und diese auf ihre offenkundige Oberflächlichkeit hinweist. Wie schon in zahlreichen Märchen findet man in der Novelle Kleider machen Leute das Motiv einer Person, die aufgrund einer nicht standesgemäßen Kleidung von der Umwelt anders behandeltet wird. In einer Zeit wo man aufgrund der Äußerlichkeiten auf den gesellschaftlichen Status schließen konnte, war es für sich verkleidende Hochstapler recht einfach, der Umwelt vorzumachen, das sie etwas sind, was sie eigentlich nicht waren. Auch Wenzel Strapinski teilt das Schicksal eines Hochstaplers, wenngleich nicht ganz freiwillig.

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Das wiederum besorgt die Bevölkerung von Goldach von alleine, die ihn für einen polnischen Grafen halten, nachdem er aus der herrschaftlichen Kutsche stieg, in der ihn der Kutscher mitnahm. Ein paar scherzhafte Bemerkungen des Kutschers genügen, um dieser die letzten Zweifel zu nehmen, welche ihn nun fürstlich empfangen. Die Leute aus Goldach sehen ihn ihm das, was sie in ihm sehen wollen, seine Flucht vor dieser Geschichte scheitert durch die Tatsache einer sich anbahnenden Liebe zur Tochter des hiesigen Amtsrates (Thomas Rettensteiner). Mit dem unfreiwilligen Rollenspiel konnte er aber nicht alle Goldauer täuschen, Melchior Böhni (Alexandru Constantinescu), der verschmähte Verehrer von Nettchen (Liubov Belotserkovskaya), erkennt seine wahre Identität und setzt alles daran, die Verlobung zu verhindern, indem er die Wahrheit ans Tageslicht bringen will. Bei der Verlobungsfeier, bei der auch der Schneidermeister und seine Gesellen anwesend sind, zerstört er Wenzels Maskerade und macht ihn zum Gespött der Anwesenden. Diesen wiederum zeigt Wenzel die Tatsache auf, dass sie es selbst waren, die sich genarrt haben. Ein Trost bleibt ihm aber dennoch, denn Nettchen liebt ihn auch ohne Grafentitel.

Diese Geschichte faszinierte den österreichischen Komponisten Alexander Zemlinsky, welcher aus dieser eine musikalische Komödie machte, deren erste Fassung 1910 in Wien uraufgeführt wurde. Da die Fassung, die im Theater Vorpommern zu sehen sein wird, nur aus zwei Akten besteht, dürfte es sich dabei um die letzte Fassung aus dem Jahre 1922 handeln. Wer die aktuellen Inszenierungen des Musiktheaters gesehen hat, dürfte die meisten der Sängerinnen und Sänger des Ensembles schon kennen, aber nur wer auch bei Pure Brel war, kennt auch den Sänger, den man in der Rolle des alten Schneidermeisters sehen wird. In der von Operndirektor Horst Kupich inszenierten Oper wird Intendant Dirk Löschner nicht nur wieder selber singen, sondern auch die Handlung der Geschichte mit seinem Puppenspiel erzählen. Die Ausstattung von Kleider machen Leute stammt diesmal wieder aus der Feder von Christof von Büren, welcher sich unter anderem auch für Dornröschen oder Warte mal!, Peterchens Mondfahrt und Tom Sawyers Abenteuer verantwortlich zeigte.

Premieren
9. März 2013 – 19:30 Uhr – Theater Stralsund
22. März 2013 – 19:30 Uhr – Theater Greifswald



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