Theater Vorpommern – Tschick

Theater Greifswald
Theater Greifswald

Es ist nicht alles Harry Potter was Jugendliche heutzutage lesen, so fand auch Wolfgang Herrndorfs Roman Tschick einen Platz unter den Bestsellern des Jahres 2010. Und wie es unter Künstlern so ist, kennt man sich und so war es nicht allzu verwunderlich, dass sich auch Robert Koall, seines Zeichens Chefdramaturg des Staatstheaters Dresden, im Freundeskreis des Autors befand. Dieser fand Gefallen an dem Buch und die Zustimmung Herrndorfs, Tschick für die Bühne zu bearbeiten. Am 19. November 2011 feierte das von Regisseur Jan Gehler inszenierte Stück seine Uraufführung auf der Dresdner Bühne. Nachdem es auch am Deutschen Theater in Berlin äußerst erfolgreich aufgeführt wurde, sollten es 2012 weitere Häuser in ihre Spielpläne nehmen, mit dem Theater Vorpommern und dem Volkstheater Rostock sind gleich zwei Theater aus Mecklenburg-Vorpommern darunter. Der Deutsche Jugendliteraturpreis, der Hans-Fallada-Preis, der Clemens-Brentano-Preis und eine Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse sind einige der Auszeichnungen, welche der Jugendroman erhielt, ein hoher Anspruch, dem sämtliche Inszenierungen nun auch gerecht werden müssen.

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Nachdem man bei Liebe Macht Tod, dem zuletzt inszenierten Jugendstück, einen Einblick die Arbeit von André Rösler, dem zukünftigen Oberspielleiter des Theater Vorpommern bekommen konnte, wird mit Arnim Beutel ein weiterer Gastregisseur Tschick auf die Bühne bringen. Das wird übrigens nicht seine erste Inszenierung auf einer norddeutschen Bühne sein, denn beispielsweise führte er 2009 die Regie bei der Inszenierung von Das Dschungelbuch am Landestheater Mecklenburg, bei dem er mit schon einmal Sabine Pommerening zusammenarbeitete, welche auch damals für das Bühnenbild zuständig war. Mit diesem müssen sie eine Fahrt mit einem hellblauen Lada Niva durch ostdeutsche Landschaften darstellen, denn bei Tschick geht es nicht um eine tragische Liebesgeschichte wie bei Romeo und Julia, sondern um eine Woche voller aufregender Abenteuer, welche die beiden minderjährigen Helden der Geschichte zusammen erleben.

Maik Klingenberg (Felix Meusel) und Andrej Tschichatschow alias Tschick (Dennis Junge) sind die Außenseiter in ihrer Klasse. Maik ist heimlich in seine Mitschülerin Tatjana verliebt, die ihm aber keine Beachtung schenkt, da sie ihn für einen Langweiler hält. Eines Tages kommt mit Andrej Tschichatschow ein neuer Mitschüler in die Klasse. Im Gegensatz zu Maik, der aus einem gut situierten Elternhaus kommt, wenn man von der alkoholabhängigen Mutter (Gabriele M. Püttner) und seinem untreuem Vater (Jörg F. Krüger) einmal absieht, kommt Andrej aus einer Familie Spätaussiedler, die aus Russland kommend nun in Berlin ihre neue Heimat gefunden hat, und legt ein recht asoziales Verhalten an den Tag. So auch an dem Tag als Maik seine Sommerferien am Pool seines Elternhauses verbrachte und ihn mit einem hellblauen Lada Niva überrascht, mit dem er in Richtung Osten zu seinem Großvater fahren will. Da seine Mutter auf einer Entziehungskur ist und sich sein Vater mit seiner Praktikantin auf einer Reise vergnügt, willigt Maik ein Tschick auf seiner Reise zu begleiten.

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Was dann passiert ist ein „Road Movie“ durch die ostdeutsche Provinz, für das sie alles andere als vorbereitet sind. Ohne zu wissen, wohin sie eigentlich hinmüssen, machen sie sich auf den Weg. Beim Versuch bei einem anderen Wagen Benzin abzusaugen treffen sie auf die gleichaltrige Isa (Frederike Duggen), welche ihnen dabei hilft und von ihnen mitgenommen werden muss. Im Roman, der episodenhaft die Geschichte dieser Reise erzählt, sitzen die beiden Jungs auf einer Polizeiwache, nachdem sie einen Unfall mit dem gestohlenen Wagen hatten. Was Wolfgang Herrndorf in seinem Roman Tschick verarbeitet, sind allesamt Probleme der jungen Generation. Ob die erste Liebe und das Entdecken der eigenen Sexualität, den Status eines Außenseiters zu haben, die Lust auf Abenteuer oder familiäre Probleme, humorvoll verbindet er es in die Handlung einer Geschichte, welche für gewisse Lacher im Publikum gut sein sollte. So bleibt für das vorpommersche Publikum eigentlich nur darauf zu hoffen, dass sich Arnim Beutel mit seiner Interpretation des Stückes in die lange Schlange der guten Inszenierungen einreihen wird.

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Premieren
8. Mai 2013 – Theater am Knieperwall Stralsund
30. Mai 2013 – Rubenowsaal Greifswald