Störtebeker Festspiele – Beginn einer Legende

Störtebeker Festspiele
Störtebeker Festspiele

362963 Besucher haben nach Angaben der Veranstalter sehen wollen, wie der Schauspieler Sascha Gluth in seiner Verkörperung des Klaus Störtebeker seine elfjährige Bühnenpräsenz durch eine allabendliche Hinrichtung auch in dramaturgischer Hinsicht beendet. Der gewaltsame Tod des wohl bekanntesten deutschen Piraten machte somit auch den Weg frei für einen geschichtlichen Neuanfang mit einem neuen Klaus Störtebeker. Diesen verkörpert ab 2013 der Schaupieler Bastian Semm, welcher mit Andreas Euler auch einen neuen Goedeke Michels an seiner Seite haben wird. Mit größeren Festspielerfahrung kann Bastian Semm mehr als offensichtlich aufwarten, für seine Rolle als Peer Gynt bei Luisenburg Festspielen erhielt er den Rosenthal Nachwuchspreis 2009, für seine Rolle als Hamlet bei den Bad Hersfelder Festspielen wiederum den Hersfeldpreis 2011. Da er unter anderen auch Erfahrung beim Reiten und Fechten als Qualifikation vorzuweisen kann, hat der an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig ausgebildete Schauspieler die Leitung der Störtebeker Festspiele wohl recht schnell von sich und seinen Talenten überzeugen können.

Aber nicht nur die beiden Hauptdarsteller Bastian Semm und Andreas Euler sind neu an Bord des offiziell beliebtesten Open-Air-Theater Deutschlands, sondern auch Regisseur Kai Maertens, welcher die Abenteuer der beiden Helden inszenieren wird. Der Beginn einer Legende führt den jungen Klaus von Alkun im Jahre 1391 in seine mecklenburgische Heimat, ein verarmtes Gut unweit der Hansestadt Wismar, das über große Lehmvorkommen verfügt. Im Jahre 1381 begannen die Wismarer Kaufleute mit dem Bau der mächtigen Nikolaikirche, als ein von weiten schon Wahrzeichen des Reichtums ihrer Stadt. Zehn Jahre bauten die Wismarer schon an ihrem Prachtbau als sie Interesse an den Rohstoffen bekamen, mit dem sie die Ziegel für ihren Kirchenbau herstellen konnten, zumindest in der Geschichte der Inszenierung, die nach Tode des Dänenkönigs Waldemar IV. Atterdag angesiedelt ist. Seine Tochter Margarete, die übrigens im Jahre 1387 selbst Königin werden sollte und während ihrer Regentschaft die Kalmarer Union begründete, setzte ihren Sohn Olaf IV. auf den dänischen Tron und entzog dem Mecklenburger Herzog Albrecht II. die rechtmäßige Herrschaft über das skandinavische Land.

In der Folge entfachte sich ein Krieg zwischen Dänemark und Mecklenburg, den die Dänen für sich entscheiden konnten. Mecklenburg litt unter den hohen Kriegskosten und die Hansestädte hatten mit den Vitalienbrüdern, die einst die befeindeten Herrscher anheuerten, um ihren Gegner zu schädigen, ein recht großes Problem, welches ihren Handel behinderte. Hier setzt nun die Legende an, in der Klaus Störtebeker zum Piraten werden sollte. In Beginn einer Legende lässt Kaufmann Langendoorp (Dietmar Lahaine), der es auf das Gut seines Vaters (Norbert Braun) abgesehen hat, dieses durch Henning von Manteufel und einer Gruppe bewaffneter Kämpfer überfallen, niederbrennen und Störtebekers Liebe Ann-Marie (Sarah Hannemann) nach Wismar entführen. Soviel zur Ausgangslage der Geschichte mit der ein neues Kapitel Störtebeker Festspiele begonnen werden. In alten Akten existierte einst ein gewisser Nikolaus Störtebeker, der nach einem Streit wegen Trunkenheit zusammen mit seinem Gegner aus der Stadt Wismar verwiesen wurde. Nach der Legende soll er einen großen Humpen Bier in einem Zug gelehrt haben, was ihm den bezeichnenden Namen Störtebeker, auf Hochdeutsch Stürz den Becher, eingebracht haben soll, weshalb seine Verkörperungen auf der Bühne auch diese Tatsache, zumindest schauspielerisch, darstellen müssen.

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Hier in Wismar traf Klaus von Alkun alias Klaus Störtebeker nach der Legende auf Goedeke Michels, welcher sich wohl hinter der anderen aus der Stadt verwiesenen Person verbarg, mit dem er sich nach einem handfesten Streit verbündete. Die Handlung vom Beginn einer Legende ist deutlich dramatischer als in der ursprünglichen Legende, denn diese liegt recht im Dunklen. Bei den Störtebeker Festspielen wird Klaus Störtebeker nach Wismar gehen, um Ann-Marie zu befreien. Er schafft aber nicht dieses zu bewerkstelligen, sondern wird durch Henning von Manteufel festgenommen und in Ketten gelegt. Seinem Kumpanen Goedeke Michels gelingt es ihn zu befreien, als Herzog Johann IV.von Mecklenburg (Neithardt Riedel) in Wismar einreitet. Er gestattet Klaus von Alkun seine Rache in einem Zweikampf zwischen ihm und Henning von Manteufel (Mario Ramos) zu suchen, er gewinnt den Kampf zwar, hat aber Alles verloren, was ihm einst etwas bedeutete. Quasi heimatlos verlässt er die Stadt und zusammen mit Goedeke Michels wird er einer der Anführer der Vitalienbrüder werden und Angst und Schrecken auf den Gewässern der Ostsee und Nordsee verbreiten. Mit dem Beginn einer Legende hat man in den nächsten Jahren wieder die Gelegenheit, das abenteuerliche Leben des berühmten Piraten mitzuerleben.

Ensemble
Bastian Semm – Klaus Störtebeker
Andreas Euler – Goedeke Michels
Norbert Braun – Störtebekers Vater
Hans-Jürgen Müller-Hohensee – Gutsverwalter Bertram
Sarah Hannemann – Ann-Marie
Mario Ramos – Henning von Manteufel
Mike H. Rader – Hauptmann Hannes Zielke
Simon Werner – Pirat Marquard Preen
Thomas Linke – Bootsmann
Thomas Kornack – Händler
Charles Lemming – Werkemeister Hugo
Dietmar Lahaine – Kaufmann Langendoorp
Claudia Gaebel – Elisabeth Langendoorp
Ben Hecker – Probst
Neithardt Riedel – Herzog Johann IV.
Karin Hartmann – Wirtin Fronica
Hans-Jürgen Müller – Hohensee – Profoss
Neithardt Riedel – Bauer
Wolfgang Lippert – Balladensänger

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Vorstellungen
22. Juni bis 7. September 2013
Montag bis Samstag
jeweils 20:00 – 22:30 Uhr



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