Tag des offenen Denkmals in Stralsund 2013 – Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?

Sternschanze Stralsund
Sternschanze Stralsund

Die IV. Pommersche Provinzial-Heilanstalt wurde im Jahre 1912 in der Hansestadt Stralsund eröffnet und sollte der Behandlung psychisch kranker Menschen dienen. Einer der bekanntesten Patienten war der in Greifswald geborene Rudolf Ditzen, der später als Schriftsteller unter dem Pseudonym Hans Fallada berühmt wurde. Anfang des Jahres 1920 befand er sich hier um gegen seinen Morphinismus behandelt zu werden. Während er als geheilt entlassen wurde, hatten andere Patienten nicht so viel Glück, denn im Jahre 1939 wurde die Anstalt geräumt, die nach offiziellen Angaben 1285 Patienten wurden deportiert und die meisten von ihnen im Rahmen des Euthanasieprogrammes der Nationalsozialisten ermordet. Aber auch schon zuvor hatten es die Patienten nicht unbedingt leicht, schon in den Notzeiten nach dem ersten Weltkrieg wurden sie versorgungstechnisch vernachlässigt, was zahlreiche Sterbefälle nach sich zogen. Unter Umständen dürfte bei zahlreichen Todesfällen auch mittels Euthanasie nachgeholfen worden sein.

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Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale? lautet das Motto des diesjährigen Tag des offenen Denkmals, bei dem Stralsund mit der ehemaligen IV. Pommersche Provinzial-Heilanstalt ein gutes Exemplar zu bieten hat. Heutzutage erinnert nur ein Denkmal auf dem Gelände des Krankenhaus West an die Opfer der Euthanasie, Opfer, die den denkmalgeschützten Gebäudekomplex den Status eines unbequemen Denkmals verleihen, eines Baudenkmals, dessen Betreiber einst zahlreiche Tote zu verantworten haben. Im Gegensatz zu den vorherigen Jahren, beschäftigt sich der Tag des offenen Denkmals mit der Frage, welche Baudenkmale erhalten werden sollten, obwohl diese mit negativen Ereignissen in Verbindung gebracht werden. Am 8. September wird aber nicht nur das Denkmal an diese für die Nachwelt unbequeme Geschichte erinnern, sondern auch die denkmalgeschützten Klinikbauten, durch welche an diesem Tag den Besuchern präsentiert werden sollen.

Ein weiteres Beispiel für unbequeme Denkmale sind Erinnerungen an Krieg und Militarismus. Hierfür ist der Dänholm als sogenannte Wiege der preußischen Marine ein gutes Beispiel, wo Mitte des 19. Jahrhunderts der erste Marinehafen des Königreichs Preußen erbaut wurde. Ein Besuch im heute dort angesiedelten Marinemuseum eröffnet einen guten Einblick in die Geschichte der dort ansässigen Marinen, am Tag des offenen Denkmals steht der ehemalige Exerzierplatz sowie das von Georg Kolbe geschaffene Kriegerdenkmal im Vordergrund der angebotenen Führungen. In gewisser Weise unbequem für ihre Eigentümer sind historische Wohnhäuser und mittelalterliche Kirchen, da der Unterhalt und die Sanierung viel Geld kosten. Ein gutes Beispiel dafür ist das heutige Hotel Scheelehof, in dem die alte Bausubstanz in das Hotelkonzept eingebunden wurde. In der Zeit von 12:00 bis 16:00 Uhr werden zu jeder halben Stunde Führungen durch den Gebäudekomplex angeboten, bei denen die bauliche Verbindung zwischen Alt und Neu zu sehen sein wird.

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Termin
8. September 2013