Bausteine zur Landesgeschichte – Auf der Suche nach der verlorenen Hälfte. Die Geschichte der Kückenmühler Anstalten (Stettin) für behinderte Menschen. Gründung 1863 – Auflösung 1940 – Erbe 2013

Pommersches Landesmuseum
Pommersches Landesmuseum

Bausteine zur Landesgeschichte lautet der Titel einer Vortragsreihe des Pommerschen Landesmuseums, in der vielfältige Themen der pommerschen Geschichte behandelt werden. Beim Vortag am 25. September richtet sich der Blick zwar in Richtung Stettin, die Züllchower Anstalten zu der auch die Kückenmühler Anstalten gehörten, waren die Wurzeln der Züssower Diakonie-Anstalten. Nachdem Napoleon und seine Armee viel Elend in Pommern verursachten, taten ein starkes Bevölkerungswachstum und zahlreiche Missernten ihr übriges, um dieses Problem weiter zu verschärfen, Arbeitslosigkeit und Armut grassierten überall. Um das soziale Pulverfass nicht zum Platzen zu bringen, fingen besorgte Bürger an, sich der Aufgabe zu stellen und Lösungen zu finden. Eines der ersten Angebote waren sogenannte Rettungshäuser, in denen sittlich verwahrloster Kinder aufgenommen und nach den pädagogischen Ideen von Johann Heinrich Pestalozzi erzogen worden. Ein solches Rettungshaus sollte der Ursprung der Züllchower Anstalten werden, welche im Jahre 1831 gegründet wurde. 1858 ernannte man den Schriftsteller Gustav Wilhelm Jahn zum Vorsteher der Züllchower Anstalten, der diese weiter ausbauen sollte.

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1863 erwarb eine vor Stettin gelegene Wassermühle, deren Bezeichnung Kückenmühle später auch die Anstalt tragen sollte. Die Anstalt wuchs und wuchs, bei seinem Tod im Jahre 1909 sorgten sich etwa zweihundert Angestellte um die gut tausendeinhundert Bewohner der Stettiner Anstalt für Blöd- und Schwachsinnige. Spätere Generationen sollten es nicht mehr so gut haben, so wurden ab 1933 die Bewohner der Kückenmühler Anstalten infolge des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses zwangssterilisiert. Im März 1940 wurde eine Verlegung der Bewohner in die Landeskrankenanstalt Meseritz-Obrawalde verlegt, von wo aus sie in die sogenannten Tötungsanstalten verbracht wurden, in denen nach wissenschaftlichen Forschungsergebnissen insgesamt mehr siebzigtausend Menschen den Euthanasiemorden der Nazis zum Opfer fielen. Nach dem die einstigen Bewohner die Kückenmühler Anstalten verlassen hatten, wurde die Anstalt offiziel geschlossen, deren Gebäude im Jahre 1944 bei Bombenangriffen zerstört wurden. Heutzutage erinnert nicht mehr viel an die Existenz der einstigen Anstalt.

In der Tradition der Kückenmühler Anstalten wurde durch Gottfried Janczikowsky und Walther Liesenhoff die diakonische Arbeit wieder aufgenommen. Anfang der 50ér Jahre konnten die ersten Gebäude der Züssower Diakonie-Anstalten eingeweiht werden. 1990 wurde Berufsbildungswerk Greifswald gegründet, später der Pommerschen Diakonie-Verein Züssow e.V. ins Leben gerufen. Einer der sich ausgiebig auf die Suche nach der verlorenen Hälfte der Züssower Diakonie-Anstalten begeben hat, ist der ehemalige Vorsteher des Pommerschen Diakonievereins und Bundesverdienstkreuzträger Friedrich Bartels, der diesen Vortrag halten wird. Bei dieser Gelegenheit soll auch das neue Buch Kückenmühler Spuren präsentiert werden, welches sich mit der Geschichte der Anstalt beschäftigt. Wer bei der letzten Kulturnacht keinen Platz im Lichtblick bekommen haben sollte, hat bei dieser Veranstaltung der Bausteine zur Landesgeschichte die Gelegenheit ein kleines Konzert der Greifswalder Band Seeside zu hören.

Termin
25. September 2013
19:00 Uhr
Pommersches Landesmuseum