Theater Vorpommern – Orpheus in der Unterwelt

Theater Greifswald
Theater Greifswald

Die Geschichte von Orpheus und Eurydike war die Geschichte einer großen Liebe, jedenfalls solange bis sich Jacques Offenbach des antiken Stoffes bemächtigt hat und mit seiner Opéra bouffon Orphée aux enfers eine gesellschaftskritische Persiflage verfasste, mit der er nicht nur die französische Gesellschaft aufs Korn nahm, sondern auch Kaiser Napoléon III im Speziellen, der sich und sein amouröses Verhalten in der Figur des Jupiter wiederfinden konnte. War Orpheus (Bragi Bergthórsson) in der griechischen Sage noch ein begnadeter Musiker, der aus Liebe in die Unterwelt stieg um seine geliebte Frau Eurydike zurückzuholen, sollte er für Jacques Offenbach eher ein Abziehbild bürgerlicher Doppelmoral herhalten, der auf der zum einen für die Öffentlichkeit ein glückliches Eheleben führt, in Wahrheit aber seine Frau mit seiner Geliebten betrügt. Diese wiederum macht aus ihrer Not eine Tugend und fängt mit dem Schäfer Aristeus eine Affäre an, hinter dem sich aber Pluto (Alexandru Constantinescu) verbirgt, der sie als seine Geliebte in die Unterwelt entführen möchte, was ihm schließlich auch gelingt.

Anzeige

Ein tödlicher Biss bringt Eurydike (Liubov Belotserkovskaya) in die Hölle und Orpheus eine Lösung für sein Eheproblem. Wäre da nicht die Öffentliche Meinung (Christina Winkel) die von ihm fordert, dass sich in den Olymp begeben soll und von Jupiter (Thomas Rettensteiner) die Herausgabe von Eurydike fordern soll. Dieser hat derzeitig ein Problem mit seiner eifersüchtigen Ehefrau Juno (Anette Gerhardt), welche glaubt, dass er hinter der Entführung von Eurydike steckt, was aber durch die Ankunft von Merkur (Bernd Roth) löst, der der versammelten Götterwelt von der neuesten Eroberung Plutos berichtet. Jupiter bestellt Pluto in den Olymp, der seine Tat aber abstreitet. Da nun auch Orpheus von ihm seine Frau fordert bleibt Jupiter nichts anderes übrig als die Angelegenheit selbst zu untersuchen und herauszufinden, ob sich Eurydike entgegen Plutos Aussagen in der Unterwelt befindet. Das Versteck ist gut gewählt, von Eurydike fehlt jede Spur.

Da Jupiter aber von der Schönheit Eurydikes gehört hat, macht er sich in der Gestalt einer Fliege auf die Suche nach seiner zukünftigen Eroberung. Im Gegensatz zu seinem Auftreten hat er nicht vor, Eurydike ihrem Mann zukommen zu lassen, sondern für sich und sein Vergnügen als Bacchantin zu holen. Gelangweilt und vom ständig alkoholisierten Diener Plutos Hans Styx (Johannes Richter) genervt, folgt sie Jupiter nur allzu gern aus ihrem Versteck. Gefeiert wird Jupiters Entdeckung mit einem ausgelassenen Höllenfest, bei sich dem Orpheus als Störer herausstellt, schließlich verlangt er seine Frau zurück, was Jupiter natürlich nicht passt, was ihn zu einer List animiert. Wie schon im in der antiken Geschichte darf Orpheus sich beim Aufstieg aus der Unterwelt nicht umblicken, wenn er Eurydike in die Oberwelt zurück holen möchte, in Jacques Offenbachs Operette schaut er sich aber nicht um weil er sich versichern möchte, das sie ihm folgt, sondern dank des Blitzes welchen Jupiter ihnen hinterherschickt.

Auf allzu große Überraschungen muss man sich bei dieser Inszenierung Orpheus in der Unterweltwohl wohl nicht gefasst machen, bei den Einblicken welche man bei Vorhang auf: Profil zeigen! bekommen hat, kann man davon ausgehen, dass Opernregisseur Wolfgang Dosch auf eine doch recht klassische Art und Weise an das Stück herangegangen ist, zumindest wenn man von den Kostümen ausgeht, welche das Ensemble bei dieser Präsentation zu sehen bekam. Wie schon die Kleidung dürfte auch das von Toto gestaltete Bühnenbild ausfallen, in dem der österreichische Regisseur das Ensemble auftreten lässt, welches seit dieser Spielzeit mit der Sopranistin Anna Wagner um ein neues Gesicht ergänzt wurde. Wer bei Vorhang auf: Profil zeigen! anwesend war, konnte schon einen kleinen musikalischen Vorgeschmack bekommen, als sie eine Arie aus Die Hochzeit des Figaro vortrug, in der sie die Figur des Pagen Cherubino verkörperte.

Premieren
12. Oktober 2013 – 19:30 Uhr
Theater Greifswald
19. Oktober – 19:30 Uhr
Theater Stralsund
20. Dezember 2013
Theater Putbus



Anzeige