Theater Vorpommern – Clerks – Die Ladenhüter

Theater Greifswald
Theater Greifswald

27575 Dollar ließ sich Kevin Smith seinen Traum kosten, einen Traum, der den Dreh eines Filmes beinhaltete. Wer die Geschichte des Filmes kennt, weiß, wie hoch er damals gepokert hat, schließlich verkaufte er für die Realisierung nicht nur seine große Comicsammlung, sondern beschaffte sich auch zehn Kreditkarten, deren jeweiliges Limit von 2000 Dollar er auf den Cent genau ausreizte. Das Risiko hat sich für ihn letztendlich gelohnt. Beim Sundance Film Festival und den Filmfestspielen in Cannes räumte der Film Preise ab, wurde dadurch beim Publikum bekannt und spielte anschließend über drei Millionen Dollar an den Kinokassen ein und begründete seine Karriere als Regisseur, die auch bekannte Werke wie Dogma und Chasing Amy hervorbrachte. Clerks spielte mehr als das Hundertfache seiner Herstellungskosten ein, erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der Film keine Handlung hat, sondern nur aus mehr oder weniger philosophischen Unterhaltungen besteht, welche die beiden Hauptcharaktere Dante und Randal miteinander führen. Nachdem das BallettVorpommern mit Sunset Boulevard erfolgreich eine Filmhandlung auf die Bühne brachte, widmet sich Oberspielleiter André Rößler bei der neuesten Inszenierung des Theater Vorpommern einer solchen.

Das Leben von Dante (Sören Ergang) und Randal (Ronny Winter) meint es nicht gut mit ihnen. Während Randal seinen Lebensunterhalt einer Videothek verdient, arbeitet Dante am benachbarten Kiosk. Wenn sich nicht mit merkwürdigen Kunden beschäftigen müssen, philosophieren beide über Gott und die Welt und daraus resultieren die merkwürdigsten Dialoge. Da Clerks keine Handlung an sich hat, stellt das Stück einen Einblick in das Leben der beiden Hauptcharaktere dar, das dann doch nicht so eintönig ausfällt, wie vielleicht zu erwarten wäre, denn Kevin Smith lässt seine Protagonisten einen Tag erleben, der recht unterhaltsam ausfällt, zumindest für das Publikum, denn für Dante und Randal sieht der Tagesverlauf nicht so gut aus. Er beginnt damit dass Dante von seinem Chef dazu verdonnert wurde, an seinem freien Tag im Kiosk zu arbeiten. Dank Kaugummis, welche die Schlösser verklebenden, bekommt er die Rollläden des Kiosks nicht auf, der Tag beginnt für ihn schon mal alles andere als sehr positiv.

Bei den Gesprächen des Tages erfährt er so einiges, was er nicht unbedingt hätte wissen wollen. Seine Freundin Veronica (Josefine Schönbrodt) gesteht ihm, dass sie bisher schon siebenunddreißig Männern einen Blowjob verpasst hat, inklusive ihm, sodass er diese Tatsache zu einem Tagesgespräch werden lässt, er muss erfahren dass seine einstige Freundin Caitlin (Svetlana Wall) bald heiraten wird und zu guter Letzt kommen die verärgerten Kunden der Videothek (Jörg F. Krüger und Lutz Jesse) auch an seinen Kiosk, um an ihm ihre schlechte Laune auszulassen. Obwohl in Clerks keinerlei Gewalt oder Nacktheit vorkommt, soll das Theaterstück übrigens eine Freigabe ab sechzehn Jahren haben. Damit zeigen sich die Verantwortlichen am Theater Vorpommern deutlich prüder als die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, welche den Film schon für Zuschauer ab zwölf Jahren freigab. Und dabei reden sie doch nur ständig über Bl***obs …

Premieren

15. Januar 2014 20:00 Uhr
Rubenowsaal Greifswald:
27. Februar 2014 20:00 Uhr
Gustav-Adolf-Saal Stralsund

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Ensemle

André Rößler – Inszenierung
Simone Steinhorst – Ausstattung
Dr. Sascha Löschner – Dramaturgie
Sören Ergang – Dante
Ronny Winter – Randal
Josefine Schönbrodt – Veronica
Svetlana Wall – Caitlin Bree
Jörg F. Krüger – Der alte Mann
Lutz Jesse – Aktivist, Trainer, Marlboroman, Handwerker