Bürgerschaft lässt sich von Brodkorb erpressen

Theater Greifswald
Theater Greifswald
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Wäre die Greifswalder Bürgerschaft ein Pokerspieler, dann würde sie selbst bei einem Royal Flush das Spiel verlieren. Leichter kann man das schlechte Verhandlungsergebnis nicht beschreiben, welches in der letzten Bürgerschaftssitzung mit einer Mehrheit von dreiundzwanzig Stimmen bestätigt wurde. Insgesamt fünf Forderungen wurden an das Kultusministerium gestellt, welche für eine Zustimmung als notwendig erachtet wurden. Einzig einer Forderung wurde stattgegeben, die übrigen geflissentlich ignoriert und auf die Stelle auf dem Papier verwiesen, an der die Unterschrift zu leisten ist. Das Theater Vorpommern erhält nach Bestätigung der vom Oberbürgermeister getätigten Unterschrift der Zielvereinbarung, eine Zusage über die Finanzierung der auftretenden Deckungslücke über vier Jahre von 350000 Euro pro Jahr, mehr nicht.

Keine garantierte Mitbestimmung der Minderheitsgesellschafter, keine wirkliche Gleichbehandlung aller Gesellschafter, keinen Spielplan des zukünftigen Staatstheaters, der sich an den gezahlten Zuschüssen der Gesellschafter orientiert, nichts davon, was eigentlich selbstverständlich wäre. Während Greifswald und Stralsund ihre Gebäude dem Theater kostenlos zu Verfügung stellen, wird in Neustrelitz und Neubrandenburg Miete für die Theatergebäude verlangt, und die so schon viel niedriger ausfallenden Zuschüsse an das Theater wieder abgegriffen. Zudem soll sich der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in absehbarer Zeit finanziell aus dem Konstrukt des zukünftigen Staatstheaters zurückziehen, sodass es zu einer stärkeren Ungleichbehandlung der Gesellschafter kommen wird.

Ihren Royal Flush, in Gestalt einer baldigen Landtagswahl, wollte die Mehrheit der Bürgerschaftsmitglieder wohl nicht ausspielen, sodass sie sämtliche Argumente aus der Hand gaben und vor dem Kultusminister brav Männchen machten. Ob sich Kultusminister Mathias Brodkorb wirklich getraut hätte, das Theater Vorpommern pleitegehen zu lassen, dürfte wohl sehr fraglich sein, fest steht jedenfalls, dass ihm die nächsten Verhandlungen noch deutlich leichter fallen dürften, um die Kulturlandschaft im Osten des Landes nach seinem Gusto zu beschneiden. Verhandlungen auf Augenhöhe sind jedenfalls Geschichte.