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Eine Eisbahn für den Greifswalder Weihnachtsmarkt – Winterlicher Eistraum oder finanzieller Albtraum?

Weihnachtsmarkt Greifswald
Weihnachtsmarkt Greifswald

Dass der Greifswalder Weihnachtsmarkt hier und dort etwas aufgehübscht werden könnte, bestreitet niemand, aber darüber, wie eine Erhöhung der Attraktivität des Marktes erreicht werden kann, gehen die Meinungen weit auseinander. Anfang des letzten Jahres führte die Greifswalder FDP eine Umfrage in der Bevölkerung durch, um von dieser einige Verbesserungsvorschläge zu bekommen. Allzu repräsentativ war das Ergebnis dieser Umfrage leider nicht, denn es waren nur siebenundsiebzig Leute, die sich daran überhaupt beteiligt hatten. Daraus jetzt Wünsche abzuleiten, um politische Entscheidungen zu fällen, ist mehr als gewagt, denn allzu belastbar sind die Zahlen nicht. Zumindest sind einige der Wünsche nachvollziehbar, denn eine räumliche Trennung von Markt und Fahrgeschäften, welche sich neun Prozent der Befragten wünschten, wird beispielsweise beim Weihnachtsmarkt in Stralsund praktiziert, der sich so gleichzeitig an mehrere Zielgruppen wenden kann, ohne dass der Rummel die Beschaulichkeit des weihnachtlichen Markttreibens stört. Der Wunsch nach einer einheitlichen Weihnachtsmusik, welche ein Anliegen von sieben Prozent der Befragten war, wurde schon beim letzten Weihnachtsmarkt umgesetzt, der dadurch etwas von seinem Rummelcharakter verlor, welchen viele Leute nervig fanden.

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Auf Platz Zwei auf der Ergebnisliste findet sich der Wunsch nach einer Eislaufbahn wieder, der sich zahlenmäßig mit einundfünfzig Stimmen ausmachen lässt. Nicht viel, aber immerhin genug, um als Prüfauftrag den Weg in die Bürgerschaft zu finden. Am 14. März wird dann ein Antrag der Stadtverwaltung auf den Tischen liegen, der es in sich haben wird, denn allzu kostengünstig dürfte dieser Wunsch nicht umzusetzen sein, wie die eingeholten Angebote für die Aufstellung und Betreibung einer Eisbahn aufzeigen. Hierfür gibt es nun zwei Varianten, von der die auf den ersten Blick kostengünstigere Angebot teurer ausfallen könnte, denn hier dürfte es bei der Refinanzierung der Personalkosten zu einer Absicherung der Kosten kommen, die fällig würde, wenn die Besucherzahlen nicht ausreichend hoch wären. Bei der zweiten Variante handelt es sich um eine reine Anmietung der Technik, so dass das für den Betrieb notwendige Personal anderweitig besorgt werden müsste. Insgesamt geht man von vierzehn Stunden pro Tag aus, die mit zwei gleichzeitig anwesenden Personen bewerkstelligt werden muss. Hier geht Hier geht man von insgesamt 9000 Euro aus, mindestens wohlgemerkt, denn auf die Stunde heruntergerechnet, dürfte es sich nur um den gesetzlichen Mindestlohn handeln.

Variante 1 Variante 2
Miete 27400.00 Euro 25652.00 Euro
Personal inklusive 9000.00 Euro
Stromanschluss 500.00 Euro 500.00 Euro
Stromverbrauch min. 10000.00 Euro 10000.00 Euro
Stromverbrauch max. 20000.00 Euro 20000.00 Euro
Gesamtkosten bei kaltem Winterwetter 45101.00 Euro 53730.88. Euro
Gesamtkosten bei warmem Winterwetter 57001.00 Euro 65630.88 Euro

Quelle Drucksache 06/565

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Da eine Eisbahn nicht kostendeckend betrieben werden kann, werden hier fast nur die anfallenden Personalkosten erwirtschaftet, den Großteil machen aber die Miete für die Eisbahn und die Stromkosten aus, die je nach Wetterlage höher oder niedriger ausfallen können. Sparen kann man selbst beim Strompreis nicht, da es einen Beschluss der Bürgerschaft gibt, dass die Stadt nur den sogenannten grünen Strom nutzen darf. Die Höhe der Stromkosten wird mit 10000 bis 20000 Euro veranschlagt, wobei der höhere Wert statistisch gesehen am wahrscheinlichten wäre, da die Weihnachtsmärkte in den letzten Jahren, insbesondere der im letzten Jahr, doch recht mild ausfielen. Was letztendlich unter dem Strich steht, dürfte ein Tiefschlag für die Befürworter der Eisbahn sein, denn der von der Stadt zu tragende Verlust kann, je nach Wetterlage, zwischen 45000 Euro, bis weit über 65000 Euro betragen. Auf den Tag heruntergerechnet sind das im schlimmsten Fall 2524.26 Euro! Während beispielsweise die Gemeinde Heringsdorf mit ihrer Eisbahn die Attraktivität der drei Kaiserbäder in der Wintersaison erhöht, was sich in den besser ausgelasteten Hotels niederschlägt, dürfte die Greifswalder Eisbahn keinen solchen Effekt vorzuweisen haben, denn der Greifswalder Weihnachtsmarkt ist ehrlich gesagt kein überregionaler Weihnachtsmarkt.

Variante 1 Variante 2
Kosten/Tag min. 1746.19 Euro 2066.57 Euro
Kosten/Tag max. 2192.35 Euro 2524.26 Euro

Während der Rostocker Weihnachtsmarkt Jahr für Jahr, bis zu 1.5 Millionen Besucher anzieht, sind es in Greifswald gerade einmal 50000 Besucher, welche den Weg zum Greifswalder Weihnachtsmarkt finden. Diese stammen zumeist aus der Stadt und der näheren Umgebung, während sich die Rostocker über auswärtige Besucher freuen können, und das ohne eine eigene Eisbahn vorweisen zu können. Stralsund wiederum hat die Insel Rügen und des Festland als Einzugsbereich, während für viele Bewohner des südlichen Teils des Landkreises Vorpommern-Greifswald die Hauptstadt Berlin mit ihren unzähligen Weihnachtsmärkten sehr viel attraktiver ist. Die 50000 Besucher des Greifswalder Weihnachtsmarktes verteilen sich zudem recht ungleichmäßig, denn so voll wie beim Adventsshopping ist er für gewöhnlich nicht. Auf den Tag heruntergerechnet verteilen sich die 50000 Besucher auf 2000 pro Tag beziehungsweise 200 pro Stunde, zumindest theoretisch. Viel größer als die Eisbahn in Stralsund könnte die Greifswalder Eisbahn nicht sein, zum einen aus Platzgründen, zum anderen wegen des starken Gefälles auf dem Marktplatz, der den Aufbau verkomplizieren würde. Mit 20 mal 15 Metern und daraus resultierenden 300 Quadratmetern ist die Stralsunder Eisbahn winzig, wenn man sie mit der 1800 Quadratmeter großen Eisbahn in Heringsdorf vergleicht.

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Für gewöhnlich rechnet man mit maximal 3 Quadratmetern pro Person, was die maximale Auslastung auf 100 Personen gleichzeitig. Das heißt, selbst wenn die Stadt beim Adventsshopping aus allen Nähten platzt, können nur 100 Leute zur selben Zeit auf der Eisbahn laufen. Da man dies meist stundenweise bezahlt , ist auch die Gesamtzahl limitiert, so dass es möglich ist, dass selbst am besten Tag des Weihnachtsmarktes auch ein Verlust entstehen kann. Das Risiko ist zudem das Wetter, denn ist es regnerisch, kann die Eisbahn nicht benutzt werden. Da sich eine Überdachung mit einem Zelt verbietet, ein Zelt wirkt noch unweihnachtlicher als ein Fahrgeschäft, ist hier auch keine Schlechtwetteroption möglich. Den Mitgliedern der Greifswalder Bürgerschaft bleibt daher nur die Frage zu beantworten, woher des Geld für die durch das Aufstellen einer Eisbahn verursachten Kosten kommen soll. Da der Haushalt für dieses Jahr schon beschlossen wurde, ist es schwierig die Mittel dafür bereitzustellen, denn dafür benötigt man eine Deckungsquelle, welche bei der angespannten Haushaltslage schwierig wäre zu finden. Bleibt also nur die Möglichkeit das ganze Projekt über Sponsoren zu realisieren. Bei diesen sitzen die Gelder aber auch nicht mehr so locker, so dass eine Realisierung der Eisbahn nur bei ausreichenden Zusagen überhaupt in Angriff genommen werden könnte.

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Auf eine eigene Eisbahn müssten die Greifswalder aber nicht verzichten, denn diese kann man bei entsprechenden Wetterverhältnissen auch günstiger bekommen. Hier soll sich nach Aussagen auch Kreisen der Stadtverwaltung die Freiwillige Feuerwehr Greifswald sogar schon bereiterklärt haben, eine natürliche Eisbahn anzulegen, welche dann zwar nur bei frostigem Wetter verfügbar wäre, aber dafür fast nichts kostet und kostenlos zu nutzen wäre. Demgegenüber steht eine kommerzielle Eisbahn, für deren Nutzung Eintritt verlangt werden müsste.Bei vergleichbaren Eisbahnen, wie beispielsweise der in Stralsund, sind es 3.00 Euro die Stunde zuzüglich 3.00 Euro für die eventuell geliehenen Schlittschuhe. Hier haben zumindest Schulklassen und Kindergärten die Möglichkeit die Eisbahn werktags in der Zeit von 11:00 bis 14:00 Uhr kostenlos zu nutzen. Zumindest sollten die eventuell fließenden städtischen Haushaltsmittel eine ebensolche Zweckbindung erfahren, denn nur als zusätzliche Mittel für die Kinder- und Jugendarbeit dürfte sich der teure Spaß einer eigenen Eisbahn der Bevölkerung überhaupt vermitteln lassen.