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10 Jahre Europäische Route der Backsteingotik e.V.

Lübeck
Lübeck

Die imposante Architektur der gotischen Kathedralen in Frankreich inspirierte die Lübecker Bürger dazu, ihren Reichtum mit dem Bau einer Kathedrale zur Schau zu stellen. Damals dürften sie noch nicht geahnt haben, dass ihre Marienkirche zum Vorbild zahlreicher Kirchenbauten im Ostseeraum werden sollte. Damals wurden zwar schon Kirchen mit Backstein errichtet, diese fielen aber noch recht klein aus und hatten kein gemauertes Gewölbe vorzuweisen. Bei der Lübecker Marienkirche war es aber anders, denn nicht nur deutlich größer als der bischöfliche Dom sollte sie werden, sondern auch ein Gewölbe erhalten, welches noch heutzutage das höchste Backsteingewölbe der Welt ist. Daraufhin begannen auch die anderen Hansestädte ihre stetig wachsende Macht mit repräsentativen Backsteingebäuden zu präsentieren und Lübeck nachzueifern.

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Das Backsteingewölbe der Wismarer Nikolaikirche sollte nur anderthalb Meter niedriger werden, womit die Wismarer in dieser Kategorie nicht nur den zweiten Platz belegen konnten, denn mit dank der anderen beiden Pfarrkirchen war auch Platz drei und vier drin. Die Neubrandenburger waren zwar nicht Mitglied der Hanse, der kunstvoll mit Formsteinen gestaltete Ostgiebel ihrer Marienkirche wurde aber zum Vorbild für andere Kirchenbauten. Die Stralsunder Bürger ließen sich nicht nur beim Bau der Nikolaikirche inspirieren, auch für den Bau ihres Rathauses nahmen sie deutliche Anleihen beim Lübecker Vorbild. Die Zeit der Hanse ist seit hunderten Jahren vorbei, ihre Hinterlassenschaft in Form der Backsteingotik ist im südlichen Ostseeraum allgegenwärtig und ein Erbe, auf das der Tourismus dankbar zurückgreifen kann.

Ob Sakralbauten wie das Münster in Bad Doberan, erhaltene mittelalterliche Stadtbefestigungen wie die in Neubrandenburg, markante Wehrbauten wie die Burg Stargard oder als Sinnbild der Romantik wie die von Caspar David Friedrich in Szene gesetzte Klosterruine Eldena, Mecklenburg und Vorpommern gehört zweifelsfrei zu den Regionen Deutschlands, deren Tourismusbranche auch dank der Backsteingotik boomt. Dies ist unter anderem auch den Aktivitäten geschuldet, mit denen diese Bauwerke stärker in den Fokos der Öffentlichkeit gebracht wurden. Den Anfang machte Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts der Initiative 2004 e.V., der eine Broschüre mit dem Titel Zauber der Backsteinbauten in Mecklenburg-Vorpommern herausbrachte, in der die wichtigsten Bauwerke der Backsteingotik vorgestellt wurden.

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Bei etwa anderthalbtausend Objekten mit den Mecklenburg-Vorpommern aufwarten kann, war es sicherlich keine leichte Aufgabe für den Verein, der sein Projekt dank der finanziellen Unterstützung der Gesellschaft zur Förderung der kommunalen Infrastruktur und der Fremdenverkehrswirtschaft realisieren konnte. Wohl aank dieser Aktivitäten entwickelte im Land ein stärkeres Bewusstsein für die Backsteinarchitektur, welches sich in der Initiative Wege zur Backsteingotik sichtbar machte, welche ab dem Jahre 1998 die Backsteingotik Mecklenburg-Vorpommerns bewarb. Das übrigens mit demselben Logo, mit der die Initiative Zauber der Backsteinbauten in Mecklenburg-Vorpommern schon die Bauwerke bewarb. Von all den Aktivitäten sollte die in den Städten Greifswald, Rostock, Stralsund, Wismar und Lübeck gezeigte Ausstellung Gebrannte Größe – Wege zur Backsteingotik der öffentlichkeitswirksamste Höhepunkt werden.

Im Jahre 2002 wurde das in Mecklenburg-Vorpommern gestartete Projekt internationaler, denn dank der Osterweiterung der Europäischen Union, bei der Polen, Lettland, Estland und Littauen war die Möglichkeit geboren Gelder aus Brüssel einwerben zu können, um zusammen das gemeinsam Erbe der Backsteingotik zu bewerben. Die interregionale Kooperation in der Europäischen Union wurde damals mit den Mitteln aus dem Interreg III B gefördert. Das Ergebnis der Anstrengungen war das Projekt EuRoB – Europäische Route der Backsteingotik, welchem nach und nach mehr Partner anschlossen. Dieses war offensichtlich so erfolgreich, dass diese beschlossen, nach Auslaufen der EU-Förderung ihr Projekt Europäische Route der Backsteingotik weiterzubetreiben. Dazu war es notwendig einen Verein zu gründen, der am 26. September des Jahres 2007 in Greifswald Realität wurde. Zehn Jahre nach diesem Ereignis sind die Anzahl der Mitgliedsstädte auf neununddreißig gestiegen, eine Reise entlang dieser Route noch interessanter und vielfältiger geworden.

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Vom Lüneburger Rathaus im Westen zur Burg des Ermländischen Kapitels Olsztyn im Osten, vom Dom in Roskilde im Norden bis zur Marienkirche Frankfurt (Oder) im Süden reicht das Gebiet der Route, deren Ziele schon allein für sich eine Reise wert sind. Für die Mitglieder des Vereins, besser gesagt deren Vertreter, ist am 24. September Greifswald das Ziel, denn bevor der Verein sein zehnjähriges Jubiläum begeht, präsentiert die alte Hansestadt sich und ihre vier EuRoB-Bauwerke (Dom St. Nikolai, Marienkirche, Giebelhaus Markt 11 und Klosterruine Eldena) bei einer Stadtführung für die zu dieser Gelegenheit angereisten Gäste aus Deutschland, Polen und Dänemark. Bei einem feierlichen Abendempfang im Pommerschen Landesmuseum, der am Tag darauf stattfindet, können die Mitglieder in geselliger Runde auf die geleistete Arbeit der letzten Jahre zurückblicken und Pläne für die weitere Zukunft schmieden. Die Hansestadt Greifswald dürfte dafür wohl mit am besten prädestiniert sein, welche nicht nur Gründungsmitglied der Hanse, sondern auch des Vereins Europäische Route der Backsteingotik e.V. war.