Ahoi – Meine Fußballweltmeisterschaft 2018

Ahoi - Mein Hafenfestival
Ahoi - Mein Hafenfestival

Das Ende einer Bürgerschaftssitzung erinnert des Öfteren mehr an eine Klasse mit pubertäreren Teenagern, denen das Geschehen an der Tafel egal ist, als an ein politisches Gremium, welches seine Aufgaben ernst nimmt. Der Lehrer versucht ihnen etwas Wichtiges zu sagen, währenddessen sie ihre Unterlagen in den Taschen verstauen und sich dabei unterhalten. Vielleicht dürfte darin der Grund zu finden sein, warum einigen Bürgerschaftsmitgliedern die Ergebnisse von Prüfaufträgen nicht bekannt sind, denn beim Tagesordnungspunkt Bekanntmachungen des Oberbürgermeisters wurde vor einiger Zeit ein von der CDU-Fraktion eingebrachter Prüfauftrag ausführlich erläutert. Dieser lautete folgendermaßen:

Die Bürgerschaft beauftragt den Oberbürgermeister, die Möglichkeit zu prüfen, dass zur kommenden Fußball-Europameisterschaft (10.06.- 10.07.2016) ein sog. Public-Viewing an der Bühne am Musemshafen stattfinden kann. Es soll dabei auch geprüft werden, ob die Möglichkeit der Durchführung in Zusammenarbeit und Absprache mit der Theater Vorpommern GmbH unter Nutzung der von dieser auf dem Gelände sowieso bereit gestellten Ausstattung besteht. Es soll auch eine Zusammenarbeit mit der privaten Wirtschaft in Greifswald und eine Förderung durch diese untersucht werden. Ziel soll es sein, dass für die Stadt und/ oder ihre Gesellschaften keine Kosten entstehen. Die Theater Vorpommern GmbH darf mit Kosten nicht belastet werden.

Drucksache 06/461 vom 24. September 2015

In der Zeit vom 14. Juni bis zum 15. Juli 2018 findet in Russland die nächste Fußballweltmeisterschaft statt, was die CDU bewog, das Thema Public-Viewing in Verbindung mit der Open-Air-Bühne des Theater Vorpommern erneut zu thematisieren:

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1) Die Bürgerschaft spricht sich dafür aus, dass zur Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland eine Public-Viewing-Fläche in Greifswald eingerichtet werden soll.
2) Die Verwaltung der Universitäts- und Hansestadt Greifswald soll prüfen ob in Kooperation mit dem Theater Vorpommern, dazu die Bühne der Sommerspiele genutzt werden kann. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob mit dem örtlichen Kinobetreiber während der spielfreien Zeit ein Kinoprogramm angeboten werden kann. Voraussetzung ist, dass die Kosten für die Einrichtung und den Betrieb der Fläche über Sponsoren finanziert werden.

Drucksache 06/1094 vom 19. Juli 2017

Da das Theater Vorpommern bisher noch keine genauen Angaben zum kommenden Sommertheater getätigt hat, kann man nur vermuten, dass das Open-Air-Theater auch im Jahre 2018 im Zeitraum von Mitte Juni bis Mitte Juli im Greifswalder Museumshafen stattfinden wird. In diesem Jahr war es vom 16. Juni bis zum 23. Juli, im letzten Jahr vom 18. Juni bis zum 17. Juli. Da die Fußballweltmeisterschaft in der Zeit vom 14. Juni bis zum 15. Juli stattfindet, überschneidet sich dieses mit der Sommertheatersaison in Greifswald. Wie sehr bemerktman eigentlich erst dann, wenn man die Termine der Fußballspiele in einem Kalender visualisiert. Die Tage, an denen kein Fußballspiel stattfindet, sind grün dargestellt, die Tage mit Fußballspielen gelb und rot, was der schlicht Tatsache geschuldet ist, dass erfahrungsgemäß Freitag, Samstag und Sonntag die besucherstärksten Tage sind. An diesen Tagen dürfte man mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von geplanten Theatervorstellungen ausgehen. Dank der kalendarischen Darstellung sieht man zudem gut, dass es während der Fußballweltmeisterschaft sehr wenig spielfreie Tage gibt, was die Realisierung eines zusätzlichen Open-Air-Kinos mit attraktiven Terminen erschwert.

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Ansonsten bräuchte die Stadtverwaltung ihre Stellungnahme eigentlich nur umzudatieren, denn die Sachlage hat sich seit dem letzten Prüfauftrag nicht wirklich geändert. Selbst wenn das Theater keine Vorstellung hat, wird die Bühne für die notwendigen Proben benötigt. Auch der Auf- und Abbau von Kulissen benötigt eine gewisse Zeit und den freien Zugang zur Bühne. Die Variante einer LED-Leinwand, welche zwischenzeitlich immer wieder auf- und abgebaut werden muss, wurde schon damals von der Verwaltung verworfen, da dieses jedes Mal einen vierstelligen Betrag verursacht und so das Public-Viewing unwirtschaftlich macht. Die Frage nach einer Zulässigkeit einer anderen Nutzung der mit Fördermittel finanzierten Bühne des Theater Vorpommern dürfte auch unnötig sein, wenn man in der Richtlinie zur Beurteilung der von Freizeitanlagen verursachten Geräusche (Freizeitlärm-Richtlinie) in Mecklenburg-Vorpommern blättert, welche unter Punkt 5.4 das Thema Besonderheiten bei seltenen Störereignissen behandelt und diese ausdrücklich beschränkt. Viel mehr Möglichkeiten für andere Veranstaltungen, die am späten Abend stattfinden, bietet der Festspielplatz am Museumshafen lärmemissionstechnisch gar nicht mehr.

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Eine Frage die sich zudem stellt, ist die nach dem Sinn eines Public-Viewing, bei dem nur ein Teil der Spiele gezeigt wird. Zum heutigen Zeitpunkt kann man noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, an welchen Tagen die deutsche Fußballnationalmannschaft den Rasen betreten wird, deren Spiele ein garantierter Publikumsmagnet sind. Was ist eigentlich dann, wenn beispielsweise Deutschland im Finale steht, für diesen Tag aber auch eine Theateraufführung angesetzt ist? Gib es dann kein Public-Viewing? Was ist dann, wenn Deutschland eine Pechsträhne haben sollte und frühzeitig ausscheidet? Wird das Public-Viewing dann abgeblasen? Die Behauptung dass es prinzipiell ein großes Interesse am Public-Viewing gibt, wurde in den letzten Jahren eindrucksvoll widerlegt. Selbst die Firma AEN, welche bei der letzten Fußballeuropameisterschaft einsprang und ein Public-Viewing auf ihrem Firmengelände veranstaltete, musste letztendlich alle Spiele absagen, an denen die deutsche Mannschaft nicht beteiligt war. Die anderen Fußballspiele fanden so gut wie kein Publikum, die Gebühren der FIFA berechnen sich aber anhand der Grundfläche auf der das Public-Viewing stattfindet. Ob tausend Leute schauen oder ein Einziger, die Gebühren bleiben gleich und machen so die meisten Spiele der Achtelfinale finanziell zu einem schwarzen Loch. Und wer sollen die ganzen Sponsoren sein, welche diese Kosten finanzieren sollen?