Von einem, der auszog klar Schiff zu machen – Ein Kommentar

Klarschiff Greifswald
Klarschiff Greifswald

Seit März 2015 existiert das Portal Klarschiff und mit bisher über dreitausend eingegangenen Meldungen scheint diese Form der Bürgerbeteiligung offensichtlich gut von der Bevölkerung angenommen zu sein. Interessanterweise gibt es bisher keine Auseinandersetzung mit dem Portal an sich, denn außer der Berichterstattung über die Einführung des ursprünglich aus Rostock stammenden Systems findet man bisher nichts. Dabei gibt es noch die eine oder andere Stelle, an der man etwas verändern könnte, um die Handhabung des Portals zu verbessern. Eine intuitive Bedienung ist nur partiell gegeben, denn dass man Ideen unterstützen kann, erschließt sich den meisten Nutzern nicht, so dass man in der Liste der unbearbeiteten Ideen sogar noch Vorschläge findet, die schon im September 2016 eingetragen wurden und seitdem virtuell im System verstauben. Mangelhaft ist auch das Fehlen der Kategorie Sonstiges bei der Meldung von Problemen, wodurch bestimmte Probleme gar nicht gemeldet werden können, außer dann, wenn man sie in eine eigentlich unpassende Kategorie einträgt und darauf hofft, dass sie trotzdem bearbeitet werden.

Probleme Ideen
Gehweg/Radweg/Straße Barrierefreiheit
Müll/Schmutz Fahrradverkehr
Öffentliches Grün/Spielplatz Fußgänger
Parken Stadtmöbel/Beleuchtung
Stadtmöbel/Stadtinventar Straßenverkehr
Vandalismus/Schmiererei Aufenthalt
Verkehrseinrichtung/Beleuchtung Sport & Spiel
Wald Sonstiges
Winterdienst Begrünung

Durch die derzeitig laufende Diskussion über die Bebauung einer im Museumshafen befindlichen Grünfläche, bot es sich an die baulichen Mängel im Bereich des Museumshafens zu thematisieren und mit Hilfe von Klarschiff unbürokratisch zu entfernen. Bekanntlich war der letzte Sommer alles andere als niederschlagsarm, was sich auch auf der Wiese bemerkbar machte, welche im Übrigen nicht Bestandteil des kommenden Bürgerentscheids ist, wie es fälschlicherweise aus der Antwort der Greifswalder Stadtverwaltung zu entnehmen ist. Würde die besagte Fläche bebaut werden, was die Bürgerinitiative Museumshafen bleibt grün mit seiner Aktivität verhindern möchte, würde sich dies auch auf die übrigen Grünflächen des Museumshafens negativ auswirken, die durch die vorhandenen Mängel zeitweise nur bedingt nutzbar sind. Und so enthielt die 2848te Meldung eine Idee in der Kategorie Begrünung, die eigentlich für sich spricht.

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Aufgrund einer Absackung der Wiese im Bereich vor der mit Steinen befestigten Kaikante staut sich hier bei Regenschauern das Regenwasser und lässt relativ große Pfützen entstehen, welche eine Nutzung der betroffenen Flächen zumindest zeitweise unmöglich machen, da das Wasser nicht ablaufen kann. Hier müsste stellenweise etwas Muttererde aufgebracht werden, um ein natürliches Gefälle zu schaffen, um eine Entwässerung zu gewährleisten, damit die zur Erholung genutzte Fläche auch wirklich genutzt werden kann. Dass anschließend auf diese Fläche und an weiteren Stellen mit lichterem Bewuchs neuer Rasen gesäht werden muss, dürfte selbstverständlich sein. Diese sollte daher auch vor dem Beginn der diesjährigen Freiluftsaison am Museumshafen erfolgen.

Nach der Bestätigung des Eintrags begann die Ernüchterung über die etwas unpraktische Handbarkeit des Systems, denn außer der Kategorie, der Unterkategorie und dem Status zeigt der Eintrag nicht viel. Wer mehr über die Idee wissen möchte, muss dafür auf Details klicken. Hier findet man dann auch die Möglichkeit die Meldung zu unterstützen und eine Anzeige der Anzahl derjenigen Leute, welche dies schon getan haben. Fünfzehn Unterstützungen benötigt man damit eine Idee von der zuständigen Stelle der Stadtverwaltung bearbeitet wird, eine Zahl die dank des Einsatzes von Social Media innerhalb weniger Tage erreicht war. Leider musste man dazu die Vorgehensweise erklären, denn viele Leute kamen offenbar mit der Art und Weise Handhabung nicht klar. Erst nach einer nachträglich hinzugefügten Erklärung der Handhabung, kam nach den schon zahlreich vorhandenen Likes die notwendige Anzahl an Unterstützungen zusammen. Vier Wochen später lag eine Antwort vor und das Problem war zumindest für die Stadtverwaltung gelöst.

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Die Pfützen rührten vom Tauwasser nach dem österlichen Wintereinbruch her. Inzwischen sind sie abgetrocknet. Da über diese Wiese und deren Zukunft aktuell ein Bürgerentscheid läuft, finden diesseits zeitnah keine Aktivitäten statt.

Pfützen am Museumshafen

Pfützen am Museumshafen

Dazu einmal ein Bild vom 14. Oktober, an dem im letzten Jahr der Aktionstag Sauberer Ryck veranstaltet wurde. Wie man auf diesem Bild sehr gut erkennen kann, musste man um nasse Füße zu bekommen, nicht unbedingt am alljährlichen Ryck-Jump teilnehmen, es reichte dafür schon ein kurzer Spaziergang auf der besagten Wiese. Der Anblick einer nassen Wiese bietet sich übrigens nach jedem stärkeren Regenschauer, im trockenen Zustand geben gut sichtbare Lücken in der Grasnarbe einen deutlichen Hinweis auf die feuchtesten Stellen der Wiese. Selbst vom anderen Ufer des Rycks sind die betroffenen Stellen wahrnehmbar. Da der Bürgerentscheid die Gemarkung Greifswald, Flur 5, Flurstücke 44/4, 45 und 44/3 betrifft, beinhaltet der zweite Teil der Antwort eine offensichtlich vorsätzliche Falschaussage. Vorsätzlich insoweit, da durch die Öffentlichkeitsarbeit der Bürgerinitiative die Ausmaße der betroffenen Fläche nicht nur der Verwaltung und Politik bekannt sein sollte. Eine graphische Darstellung findet man in der Darlegung der Auffassung der Universitäts- und Hansestadt Greifswald zum Gegenstand des Bürgerentscheids am 27.05.2018. Die in der Meldung behandelte Wiese befindet sich links von der markierten Fläche.

Ausschnitt aus der Karte aus der Darlegung der Auffassung der Universitäts- und Hansestadt Greifswald zum Gegenstand des Bürgerentscheids

Ausschnitt aus der Karte aus der Darlegung der Auffassung der Universitäts- und Hansestadt Greifswald zum Gegenstand des Bürgerentscheids

Eigentlich war der Testlauf dazu gedacht, zu schauen, ob das System Klarschiff den hohen Ansprüchen gerecht wird, mit dem es vor ein paar Jahren angetreten ist, nämlich unbürokratisch Probleme melden und beseitigen zu können. Wenn man aber beispielsweise als Verwaltung ein stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für Bauwesen, Infrastruktur, Umwelt und öffentliche Ordnung der Greifswalder Bürgerschaft mit Fehlinformationen abwimmelt, ein Mitglied das sich trotz oder wegen eines Stammplatz auf der virtuellen Ersatzbank mit den Problematiken des Ausschusses beschäftigt, ist dieser Anspruch leider nicht erfüllt worden. Uninformierte Leute hätten sich vielleicht mit einer solchen Antwort zufrieden gegeben, jemand der sich zu Recht verarscht vorkommt, aber eher nicht. Man darf daher auf die Ausreden der Verwaltung gespannt sein…