Pommersches Landesmuseum – Im Fluss der Zeit / Z biegiem rzeki – Jüdisches Leben an der Oder

Altes Kaufhaus Stralsund
Altes Kaufhaus Stralsund

Während man in Greifswald die Spuren einstigen jüdischen Lebens mit der Lupe suchen muss, denn allzu groß war die Gemeinde nie, kann das benachbarte Stralsund mit einem Prunkbau protzen, der vom der Glanzzeit der großen Warenhäuser zeugt, von denen interessanterweise viele ihre Wurzeln in Mecklenburg-Vorpommern haben. In Stralsund waren es die Familien Wertheim und Tietz, in Wismar Rudolph Karstadt, die mit ihren Warenhäusern das Einkaufen im Deutschen Reich revolutionierten. Während das Berliner Warenhaus der Wertheims, seinerzeit mit 106000 Quadratmetern Fläche das größte Warenhaus Europas, nicht mehr existent ist, zeugt ihr im Jahre 1903 eröffnete Kaufhaus in Stralsund vom Einkauferlebnis früherer Generationen. Heutzutage beherbergt das historische Gebäude die Stralsunder Filiale vom Kaufhaus Jesske. Nur ein paar Häuser weiter die Straße runter baute schon im Jahre 1902 Leonhard Tietz sein Warenhaus.

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Aus seiner Firma sollte ein paar Jahrzehnte später der Kaufhauskonzern Kaufhof entstehen, aus der seines Onkels Hermann Tietz der Kaufhauskonzern Hertie. Während die neuere Geschichte der Warenhäuser alles andere als positiv verlaufen ist, beleuchtet im Rahmen der Vortragsreihe Bausteine zur Landesgeschichte Nadine Garling die Geschichte der jüdischen Kaufmannsfamilien in Stralsund. Prof. Dr. Jörg Hackmann von der Stettiner Universität ist mit seiner Spurensuche in der deutsch-jüdische Geschichte Stettins zumindest geographisch etwas näher am Titel der im Pommerschen Landesmuseum präsentierten Wanderausstellung Im Fluss der Zeit / Z biegiem rzeki – Jüdisches Leben an der Oder als Nadine Garling, betrachtet aber auch das Leben nach dem Zweiten Weltkrieg. So verursachte der am 4. Juli 1946 stattgefundene Pogrom von Kielce eine große Ausreisewelle der in Polen lebenden Juden. Übrig blieb eine kleine Minderheit, die in den 60er Jahren kleiner wurde, als es aufgrund politischer Repressalien zu einer erneuten Ausreiswelle kam.

Zudem blieben nicht viele Spuren vom jüdischen Leben in Pommern und Niederschlesien erhalten, eine Erinnerung war nicht möglich, denn in der DDR endete die deutsche Geschichte an der Oder und auf der anderen Seite des Flusses hatte die neue, aus Ostpolen stammende Bevölkerung noch sehr wenig Bezug zu ihrer neuen Heimat. In diese Kerbe schlagen nun die beiden Kuratorinnen der Ausstellung Dr. Magdalena Abraham-Diefenbach und Dr. Magdalena Gebala, indem sie dieses Kapitel der Geschichte thematisieren und so den heutigen Generationen auf beiden Seiten der Oder etwas näherbringen. Dieses sogar zweisprachig, denn die Wanderausstellung Im Fluss der Zeit / Z biegiem rzeki ist von den beiden Kuratorinnen zweisprachig konzipiert worden. Zu sehen sind unter anderem Portraits mehr oder weniger prominenter, an der Oder geborener Juden. Zu diesen zählt unter anderem der in Stettin geborene Schriftsteller Alfred Döblin, der durch seinen Roman Berlin Alexanderplatz bekannt wurde. Die Ausstellung kann bis zum 28. April besichtigt werden.

Programm

03. März 2019
14:00 Uhr
Ausstellungseröffnung
14. März 2019
18:00 Uhr
Bausteine zur Landesgeschichte
Prof. Dr. Jörg Hackmann
Die deutsch-jüdische Geschichte Stettins. Eine Spurensuche
21. März 2019
18:00 Uhr
Bausteine zur Landesgeschichte
Nadine Garling
Die jüdischen Kaufmannsfamilien in Stralsund
28. März 2019
20:00 Uhr
Nordoststreifen
Menashe