Faktencheck – Das Schülerfreizeitticket des Landkreises Vorpommern-Greifswald

ÖPNV in Greifswald
ÖPNV in Greifswald

Beschlussvorschlag:
Der Kreistag des Landkreises Vorpommern-Greifswald beschließt die Einführung eines Schülerfreizeittickets zur Verbesserung der Mobilität für Schüler und Auszubildende im Landkreis Vorpommern-Greifswald, gültig täglich ab 14:00 Uhr. Der Verkaufsstart des Schülerfreizeittickets ist am Montag, dem 17.06.2019

Sachdarstellung:
… Das Ticket kann unabhängig von der Monatsfahrkarte für alle Busverkehre zu einem Preis von 8,00 € von Schülern und Auszubildenden erworben werden. Eine Ausweitung auf alle Regionalzüge wird derzeit noch angestrebt …

Auf der Kreistagssitzung vom 9. Oktober 2017 wurde beschlossen, die Verbesserung der außerschulischen Mobilität durch ein Freizeitticket zu prüfen. Nachdem die daraus resultierende Vorlage der Verwaltung auf der letzten Kreistagssitzung keine Mehrheit fand, steht am 8. April eine leicht veränderte Vorlage auf der Tagesordnung. Diese unterscheidet sich aber nur in einer etwas später Darüber, wie die Verwaltung auf diesen Wert kommt, schweigt sie sich aus, so dass die Mitglieder des Kreistages nicht wirklich wissen, über was sie abstimmen sollten. Befürworter des Schülerfreizeittickets bringen die Hansestadt Rostock als Vorbild als Argument, die zukünftig die Kosten für die Schülertickets übernehmen will, nur ist die größte Stadt des Landes nicht mit einem Landkreis vergleichbar, der von der Fläche her ein vielfaches größer ist. Die Hansestadt Rostock wurde durch das aktuelle Schulgesetz dazu verpflichtet, im selben Ausmaß wie die Landkreise für die Schülerbeförderung aufzukommen. Bislang galten für die Stadt andere Regeln. Da die Stadt einen gut ausgebauten Nahverkehr hat, brauchte man keine zusätzlichen Busse einzusetzen, sondern beschloss für die anspruchsberechtigten Kinder und Jugendlichen die Kosten für die ermäßigten Schülertickets zu übernehmen und für die anderen den Preis des Tickets zu reduzieren.

So sank der Preis für die Schülertickets von ursprünglich 28.50 Euro auf 23.50 Euro pro Monat. Dass sich die Rostocker Bürgerschaft dazu entschlossen hat, ab dem Jahre 2020 die Kosten für alle Schüler mit Erstwohnsitz in der Stadt zu übernehmen und so ein Schülerfreizeitticket einzuführen, ist aber eine Vermengung von Pflichtaufgaben und freiwilligen Leistungen, die einen direkten Vergleich mit dem Landkreis Vorpommern-Greifswald erschwert. Also müsste man die Monatskarten der Städte heranziehen, um den Finanzierungsbedarf zu ermitteln. In Greifswald kostet eine ermäßigte Monatskarte derzeitig 30.00 Euro und in Anklam 32.00 Euro. Im Landkreis sind ermäßigte Monatskarten Tarifzonenabhängig und kosten bei Bussen der Kooperationsgemeinschaft Vorpommern für den Regionallinienverkehr im günstigen Fall 40.60 Euro, im ungünstigsten Fall sogar 140.60 Euro. Das sind übrigens diejenigen Tickets, welche Auszubildende erwerben müssen, um zu ihrer Ausbildungsstelle zu kommen.

Vergleichbar mit dem angestrebten Schülerfreizeitticket des Landkreises Vorpommern-Greifswald ist das vor Kurzem eingeführte KRASS-FreizeitTicket des Landkreiseses Rostock, der im Verkehrsverbund Warnow an sich schon bessere Konditionen und Verbindungen hat. Dieses Ticket ist an Schultagen ab 13:00 Uhr und an den anderen Tagen ganztags gültig. Dank des Verkehrsverbundes Warnow sind sogar die Regionalzüge Bestandteil der beinhalteten Verkehrsmittel. Dafür kostet das Ticket, welches nicht umsonst ist, pro Nase 19.60 Euro im Monat. Dieser günstige Preis kann aber nur realisiert werden, weil der Landkreis Rostock die Hälfte der kalkulierten Kosten übernimmt und so diesen Preis erst ermöglicht. Kosten würde das Ticket ohne die zusätzliche Subvention des Landkreises 38.80 Euro. Die Kosten für den Schülerverkehr trägt der Landkreis zusätzlich. Vergleicht man das Angebot des Landkreises Rostock mit dem geplanten Schülerfreizeitticket des Landkreises Vorpommern-Greifswald, fällt der deutlich niedrige Preis auf, der sich aus dem Eigenanteil von 8.00 Euro und dem Zuschuss des Landkreises zusammensetzt, der etwa 0.50 Euro pro Ticket und Monat beträgt. Mehr ist es wirklich nicht, was der Landkreis Vorpommern-Greifswald für das Schülerfreizeitticket ausgeben möchte, der seinen Ausgleichsbedarf mit 16685 Nutzern kalkuliert hat.

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Recht weltfremd klingt zudem die Sachdarstellung des Verwaltung des Landkreises, die immer noch ernsthalt glaubt, oder so tut, dass das Land als Besteller des Regionalverkehrs weitere Gelder dazugibt, damit es zu einem Angebot von Bus und Bahn kommt. Dabei ignoriert sie geflissentlich, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern gar kein Geld für die Ausgestaltung des Schülerfreizeittickets übrig hat. Wenn man als Verkehrsminister vor der Wahl steht, die vom Bund zugewiesenen Regionalisierungsmittel für den ÖPNV einzusetzen, wird man nicht ernsthaft bestehende Bahnverbindungen streichen, damit man woanders Ticketpreise massiv subventionieren kann. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald braucht aber den Schwarzen Peter nicht Schwerin zu geben, denn der ÖPNV im Landkreis ist alles andere als kundenorientiert. Will man beispielsweise von Greifswald, der nördlichsten Stadt des Landkreises, nach Penkun, der südlichsten Stadt des Landkreises fahren, hat man am Wochenende überhaupt keine Chance dazu. Loitz, als westlichste Stadt des Landkreises Vorpommern-Greifswald, ist mit dem ÖPNV am Wochenende ebenso nicht erreichbar.

Möchte der Landkreis Vorpommern-Greifswald ein vergleichbares Angebot haben, den der Landkreis Rostock seinen Schülern bietet, muss er deutlich mehr Geld ausgeben als er bereit ist zu geben, beziehungsweise überhaupt ausgeben kann. Es würde dann aber kein zusätzlicher Bus oder Zug fahren und die Kinder und Jugendlichen in der Fläche könnten davon nicht profitieren, wenn ihr Ort nur von Schulbussen angefahren wird. Der Landkreis Rostock gibt für sein Schülerfreizeittickt des vierzigfache pro Kind und Monat aus, als die am Montag vom Kreistag Vorpommern-Greifswald behandelte Beschlussvorlage als Grundlage hat. Problematisch ist zudem die Tatsache, dass der Landkreis Vorpommern-Greifswald aufgrund seiner angespannten finanziellen Situation sehr wenig Spielraum hat, überhaupt freiwillige Leistungen zu beschließen. Ansonsten sollte man als Landkreis erst einmal einen ÖPNV haben, der diese Bezeichnung verdient, um über günstige Tarife für Schüler reden zu können.

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Aber es sind ja im Mai wieder Wahlen …