Greifswalder Bachwoche – Zwischentöne

Dom St. Nikolai Greifswald
Dom St. Nikolai Greifswald

Wenn man den dümmlichen Aussagen des jüngsten Bürgerschaftsmitgliedes der Greifswalder Bürgerschaft Glauben schenken würde, dürfte es das mit Fysi betitelte Tanztheater der diesjährigen Bachwoche nicht geben, richtet sich das Greifswalder Festival geistlicher Musik angeblich nur an ein Publikum, welches sich hauptsächlich durch ihr silberlockiges Haupthaar auszeichnet. Dass es bei den Vorstellungen viele ältere Semester im Publikum befinden werden, liegt auch daran, dass es sich bei Fysi um ein Jugend-Tanz-Projekt mit Schülern des Alexander von Humboldt-Gymnasiums handelt, also von Jugendlichen deren Großeltern sehen wollen, wie sich ihre Enkelkinder auf der Bühne der Stadthalle behaupten werden.

Verantwortlich für die diesjährige Choreografie zeigt sich Stefano Fossat, welcher seit 2011 als Tänzer des BallettVorpommern das hiesige Publikum begeistert. Mit Fysi wird die Schöpfung, sprich die Natur, thematisiert und durch tänzerische Mittel ausgedrückt. Hierfür haben sich die Schüler zuvor ihre eigenen Gedanken gemacht, welche dann mit in die Gestaltung der Choreographie eingeflossen sind. Mit minimalistischer Werken der griechischen Komponisten Evángelos Odysséas Papathanassíou alias Vangelis und Yiannis Hryssomallis alias Yanni, sowie des amerikanischen Komponisten Philip Glass soll eine dazu passende musikalische Untermalung des Tanzstückes realisiert werden. Jeweils zwei Aufführungen sind am 20. und 25. Juni.

Zwischentöne lautet das diesjährige Motto der Greifswalder Bachwoche, denn schließlich ist die Nachfolge von Jochen A. Modeß, des langjährigen Leiters des Festivals, noch nicht geklärt. Und so bilden die beiden Landeskirchenmusikdirektoren der Nordkirche, Prof. Frank Dittmer und Hans-Jürgen Wulf zusammen mit dem Direktor des Instituts für Kirchenmusik und Musikwissenschaft der Universität Greifswald Prof. Dr. Matthias Schneider übergangsweise ein Leitungstrio, welches sich für die Ausgestaltung des Programms verantwortlich zeigt. Zu diesem Programm gehört traditionell die sogenannte Dorfkirchenreise, bei der man nebenbei historische Kirchen aus der Region kennenlernen kann.

In diesem Jahr sind es die Schlosskirche in Deyelsdorf und die St. Margarethenkirche in Glewitz, beide im Trebeltal an der historischen Grenze zu Mecklenburg gelegen, welche mit dem Bus angefahren werden. Bauhistorisch ist die sich an der Schlosskirche in Torgau orientierenden Schlosskirche zu Deyelsdorf interessant, die Anfang des 17. Jahrhunderts als Querkirche erbaut wurde und über eine Patronatsempore verfügt, die durch einen gesonderten Eingang betreten wurde. Eine Besonderheit der Ende des 13. Jahrhunderts errichteten Glewitzer Margarethenkirche sind die erst im Jahre 1995 wiederentdeckten mittelalterlichen Malereien, welche in ihrer Art im norddeutschen Raum recht selten sind.

Die meisten Veranstaltungen der Greifswalder Bachwoche finden aber in Greifswald statt, angefangen von der Aula der Universität, wo das traditionelle Clavichord-Konzert gespielt wird, bis hin zum Dom St. Nikolai, der den Raum für das Abschlusskonzert bietet. In diesem Jahr ist es der Rotterdam geborene Gerard Bunk, welcher die Bombardierung seiner Heimatstadt während Zweiten Weltkrieges in seinem Oratorium Groß ist Gottes Herrlichkeit, op. 82 verarbeitet hat. Die Besonderheit des Werkes für die Greifswalder Bachwoche ist nicht nur die erstmalige Aufführung in Greifswald, denn auch die Kooperation der Domchöre von Greifswald und Lübeck ist neu. Und so kann man das Oratorium nur einen Tag später auch im Dom zu Lübeck erleben.

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Dass man Kirchenlieder auch völlig anders als gewohnt spielen kann, beweist die Greifswalder Bachwoche mit einem Jazzkonzert. In diesem Jahr sogar gleich zweimal. Zum einen mit dem aus Ulf Krupka, Tine Asmundsen und Line Falkenberg Krupka Trio aus Norwegen, welches norwegische Kirchenlieder verjazzt, zum anderen aus dem Johannes Mann, Paul Janoschka, Jan Dittmann und Johannes Hamm bestehenden Johannes Hamm Quartett, welches dieses mit deutschen Kirchenliedern macht. Einen ausführlichen Überblick über das diesjährige Programm findet man auf der Seite der Greifswalder Bachwoche.

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Programm (Konzerte)

17. Juni 2018
16:00 Uhr
Aula der Universität
Konzert 1 Clavichord-Konzert
17. Juni 2018
20:00 Uhr
Dom St. Nikolai
Konzert 2 Johann Sebastian Bach – Markus-Passion In der Rekonstruktionsfassung von Andreas Fischer
18. Juni 2018
11:30 Uhr
Dom St. Nikolai
Konzert 3 Kinderkonzert
Birgit Pape – Himmel und Erde
18. Juni 2018
16:00 Uhr
St. Jacobi
Konzert 4 Friedens-Musik
18. Juni 2018
19:00 Uhr
Dom St. Nikolai
Konzert 5 Chorkonzert
Berliner Jungen singen – aber richtig!
18. Juni 2018
22:00 Uhr
Dom St. Nikolai
Konzert 6 Hymns in a Jazzmood
19. Juni 2018
12:00 Uhr
Schlosskirche Deyelsdorf
Konzert 7 Orgelkonzert
19. Juni 2018
15:00 Uhr
St. Margarethenkirche Glewitz
Konzert 8 Zwischentöne
19. Juni 2018
20:00 Uhr
St. Jacobi
Konzert 9 Große Kammermusik
20. Juni 2018
11:30 Uhr
Kaisersaal der Stadthalle
Konzert 10 Jugend-Tanz-Projekt
20. Juni 2018
20:00 Uhr
Dom St. Nikolai
Konzert 11 Joseph Haydn – Die Schöpfung Sing-Along – ein Werk zum Mitsingen
20. Juni 2018
22:00 Uhr
St. Spiritus
Konzert 12 Kirchenlieder-Jazz
21. Juni 2018
16:00 Uhr
Pommersches Landesmuseum
Konzert 13 Carl Loewe – Balladen
21. Juni 2018
20:00 Uhr
St. Marien
Konzert 14 Nacht der Chöre
22. Juni 2018
16:00 Uhr
St. Jacobi
Konzert 15 Familienkonzert
22. Juni 2018
20:00 Uhr
Dom St. Nikolai
Konzert 16 Gerard Bunk – Groß ist Gottes Herrlichkeit, op. 82

alle Angaben ohne Gewähr



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