Ellen Bødtker & Jan Erik Vold – Once Upon a Summer

Schärenlandschaft

Während Greifswald dank des Nordischen Klangs jeden Mai zwei Wochen lang zu einer Art skandinavischer Kulturhauptstadt mutiert, ist im Rest des Jahres die Dosis an Veranstaltungen mit einem nordischen Charakter doch eher als homöopathisch zu bezeichnen. Mit der Biennale Theater Hanse hat seit diesem Jahr die Nachbarstadt Stralsund ein Theaterfestival mit Beiträgen aus dem Ostseeraum zu bieten, für gewöhnlich muss man nach Skandinavien fahren, um der Kultur des Nordens näher zu kommen, was sich leider aber auch im eigenen Geldbeutel negativ bemerkbar macht. Das man für die die Veranstaltung am Donnerstag nicht unbedingt nach Norwegen reisen muss, ist unter anderem der Arbeit von Walter Baumgartner, welcher Jan Erik Volds Träumemacher-Trilogie ins Deutsche übersetzte, die im September erschien. Da Norwegen des Ehrenland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse war, hatte Jan Erik Vold die Gelegenheit, seine Lyrik zusammen mit der Harfenmusik von Ellen Bødtker einer literaturbegeisterten Öffentlichkeit zu präsentieren, eine Lyrik, die nun auch mit deutschen Worten erfahrbar war. Bevor es aber wieder in die Heimat geht, führen die beiden ihr Programm noch im Felleshuset der Nordischen Botschaften in Berlin sowie im Greifswalder Koeppenhaus auf.

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Ganz frisch ist dieses Programm aber nicht, entstand die Idee zu diesem schon vor einigen Jahren zuvor, als beide auf einer Tournee durch Japan unterwegs waren. Bei einer Zugfahrt waren Jan Erik Volds Gedichte ihr Unterhaltungsprogramm, während die Landschaft in großer Geschwindigkeit an ihnen vorbeizog. So lautet zumindest die Legende, welche Ellen Bødtker erzählt, wenn sie sich über die Entstehung der Idee äußert, der eine gewisse Verwandtschaft der japanischen und norwegischen Landschaft zugrunde liegt. Das Ergebnis der Inspiration sind Kompositionen, die sich an japanischen und norwegischen Klangbildern orientieren und Jan Erik Volds Poesie in den Mittelpunkt stellen. Es war nicht das erste Mal, dass die norwegische Harfenistin sich kreativ mit den Werken anderer Künstler auseinandersetzte und diesen einen Klang verpasste. Weltweite Bekanntheit erhielt sie durch die Performance Hjerteblod, in der sie anlässlich des huntertfünfzigjährigen Geburtstages von Edvard Munch Texte von ihm vertonte. Es war übrigens die Tournee zu Hjerteblod, welche Ellen Bødtker und Jan Erik Vold auch nach Japan führte, und von dort mit der Idee für Once Upon a Summer heimkommen ließ.

Einen Namen machte sich auch als Solistin des Philharmonischen Orchesters Oslo, welches zu den renommiertesten Orchestern der Welt gehört. Jan Erik Vold wiederum veröffentlichte mit Mellom speil og speil seinen ersten Gedichtband im Jahre 1965, viele weitere sollten in den Jahren darauf folgen. Er begnügt sich aber nicht nur damit, Gedichte zu schreiben, auch deren Vortrag mit musikalischer Unterstützung gehört zu seinem künstlerischen Profil. Jazz & Lyrik nennt sich das Konzept Gedichte mit Jazz zu verbinden, eine Kunstform für die Jan Erik Vold in Skandinavien die Rolle eines Pioniers einnahm. Dank der Übersetzungen von Walter Baumgartner, der die Gelegenheit nutzen wird, die Gedichtsammlung vorzustellen, kann man die sprachlichen Bilderwelten Volds zu mindestens in Teilen ohne eine Sprachbarriere genießen. Karten für diese Veranstaltung gibt es nur an der Abendkasse, die Karten für 8.00 beziehungsweise 5.00 Euro ermäßigt, kann man aber mittels einer Email an nokl@uni-greifswald.de reservieren. Termin: Donnerstag 24. Oktober 2019 – 20:00 Uhr Koeppenhaus



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