Russische Kulturtage 2020

Russland
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Allzu kurz ist der Weg für Marina Kosterina zu ihrem Auftritt in Greifswald nicht, denn schließlich ist sie seit ein paar Jahren Solistin der Philharmonie Omsk. Allein bis zum Kreml in Moskau sind es über zweitausendsiebenhundert Kilometer, und von dort bis nach Greifswald kommen noch einmal gut zweitausend Kilometer hinzu. Russland ist groß, der Zar ist weit, lautet eine bekannte Redensart, heute muss man nur das Wort Zar mit Putin austauschen. Dafür, dass Omsk einst ein verhasster Verbannungsort für viele Verurteilte war, Fjodor Michailowitsch Dostojewski zählt übrigens zu den bekanntesten Persönlichkeiten, hat sich die Stadt kulturell gesehen positiv entwickelt. Die Philharmonie Omsk hat international gesehen einen guten Ruf, und auch ihre Pianistin Marina Kosterina konnte in ihrer Karriere schon zahlreiche renommierte Musikpreise gewinnen. Umso erstaunlicher ist, dass für ihr etwa anderthalbstündiges Konzert mit Werken von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow und Alexander Nikolajewitsch Skrjabin, welches am 21. Januar in der Aula der Universität stattfinden wird, überhaupt kein Eintritt verlangt wird.

Das ist aber kein Alleinstellungsmerkmal des Konzertes, denn bis auf eine Ausnahme kann man für alle Veranstaltungen der russischen Kulturtage das Portemonnaie in der Tasche lassen. So auch beim Abschlusskonzert, der unter dem Motto Der Abend der russischen Romanzen steht und von der Pianistin Ekaterina Fedorina und der Sängerin Ljudmila Platt gestaltet wird. Erstere ist übrigens auch die künstlerische Leiterin des Vokalensembles Choryllisch der Greifswalder Universität, ein Chor der seit dem Jahre 2009 der slawischen Volksmusik in Greifswald eine Heimat gibt. Zusammen mit der Theatergruppe der Slawistik ist dieser am 17. Januar zu erleben. Zu sehen sein wird das Theaterstück Zwanzig Minuten mit einem Engel des Dramatikers Alexander Wampilow, welches er in den 60er Jahren verfallt hatte. Und wie könnte es anders sein, es geht in dem Stück um Wodka, besser gesagt, einen auf Grund des vorherrschenden Geldmangels beider Protagonisten gerade unmöglichen Konsums dessen. Die Aufführung wird in russischer Sprache werden, mit Hilfe der deutschsprachigen Moderation dürfte zumindest die Aussage des Stückes verständlicher sein.

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Nicht ganz so exotisch sind die Überbleibsel der Roten Armee, die man auch ein Vierteljahrhundert nach deren Abzug aus dem Gebiet der einstigen DDR auch noch in Mecklenburg-Vorpommern finden kann. Hier und im benachbarten Brandenburg suchte Dr. Ute Marggraff zusammen mit Studenten der Slawistik diese Stätten auf, um diese auf Fotografien festzuhalten. Die daraus entstandene Ausstellung Zwischen Exerzierplatz und Sehnsucht nach der Heimat – Spuren der sowjetischen Truppen 25 Jahre nach dem Abzug wird noch bis zum 25. Januar im Koeppenhaus zu sehen sein. Während diese Motive hauptsächlich Propaganda darstellen, ist das künstlerische Schaffen von Vitaly Komar und Aleksandr Melamid prägend für die sowjetische Kunst gewesen. Im Stil der westlichen Pop Art entstand mit Motiven der sozialistischen Bildsprache die sogenannte Soz Art, deren wichtigster Vertreter Vitaly Komar ist, der übrigens aus New York anreisen wird, wo er seit vielen Jahren beheimatet ist. Vervollständigt wird das Programm der diesjährigen Russischen Kulturtage mit einer Lesung mit Yevgenia Belorusets, welche ihr neuestes Buch mit dem Titel Glückliche Fälle vorstellen wird, und einem Vortrag über das Russische von Harry Walter.

Programm

  bis 25. Januar 2020

Dienstag bis Samstag
14:00 – 18:00 Uhr
Koeppenhaus
Zwischen Exerzierplatz und Sehnsucht nach der Heimat – Spuren der sowjetischen Truppen 25 Jahre nach dem Abzug
Fotoausstellung mit Ute Marggraff & mehr
Eintritt frei
Donnerstag 16. Januar 2020

19:30 Uhr Koeppenhaus Von der Pop-Art zur Soz-Art und zurück? Vitaly Komars künstlerische Migrationen
Vortrag und Gespräch mit Vitaly Komar
Moderation Ute Marggraff und Roman Dubasevych
Eintritt frei
Freitag 17. Januar 2020

19:00 Uhr
Campus Loefflerstraße
Raum 2.14
Zwanzig Minuten mit einem Engel
Theaterstück nach A. Wampilow
Koljadki
Vokalensemble Choryllisch
Eintritt frei
Montag 20. Januar 2020

16:30 Uhr
Campus Loefflerstraße
Raum 2.05
Russisch + Russisches in Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern und der Welt
Vortrag von Harry Walter
Eintritt frei
Dienstag 21. Januar 2020

19:00 Uhr
Aula der Universität
Ein zauberhaftesaus Russland – Russische Romantiker des Klaviers
Werke von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow und Alexander Nikolajewitsch Skrjabin
Klavierkonzert mit Marina Kosterina (Omsk)
Eintritt frei
Donnerstag 23. Januar 2020

20:00 Uhr
Koeppenhaus
Glückliche Fälle
Autorenlesung mit Yevgenia Belorusets und der Übersetzerin Claudia Dathe
Eintritt 5 & 3 Euro
Freitag 24. Januar 2020

19:00 Uhr
Int. Begegnungszentrum
Felix Hausdorff
Der Abend der russischen Romanzen
Ljudmila Platt (Gesang) und Ekaterina Fedorina (Klavier)
Eintritt frei


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