Die SSS Greif muss im Hafen bleiben

Segelschulschiff Greif
Segelschulschiff Greif
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Wenn man nur oberflächlich Rost entfernt und anschließend die behandelten Stellen mit Farbe überstreicht, ist das nicht unbedingt die beste Lösung für den Erhalt eines alten Schiffes. Unter der Farbschicht kann sich der Rost weiterentwickeln bis er Blasen wirft und sich Risse bilden, so dass sich dann die Schadenswirkung weiter beschleunigt. Diese Lösung ist auf den ersten Blick vielleicht die billigste, langfristig gesehen ist sie es aber nicht unbedingt. Was passieren kann, wenn man bei einem Schiff aus Kostengründen nur Flickschusterei betreibt, kann man wunderbar am Beispiel der SSS Greif sehen, deren letzte Grundinstandsetzung im Jahre 1991, also vor fast dreißig Jahren war. In der Zeit danach wurde man hier und mal da was gemacht, den Blick für das Ganze hatte man offenbar aber nicht, denn die Nachricht, die Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder in dieser Woche verkünden musste, hatte etwas mit der Rostentwicklung an den Außenhautplatten zu tun, welche inzwischen eine kritische Größe erreicht hatte.

Beim Aufenthalt auf der Wolgaster Werft, bei dem angerostete Platten und Spanten an der Backbordseite des Vorschiffes ausgetauscht werden sollten, forderte die für Schiffe zuständige Klassifikationsgesellschaft DNV-GL (Det Norske Veritas – Germanischer Lloyd) auch auf der Steuerbordseite des Vorschiffes eine Ultraschallmessung durchzuführen. Bei dieser Untersuchung stellte sich heraus, dass diese ebenfalls deutlich korrodiert waren, und zwar so stark, dass eine noch zulässige Wanddicke von 6,5 mm stellenweise nicht mehr gegeben war. Damit löste sich die Planungen des Eigenbetriebs in Luft auf, nach einem kurzen Werftaufenthalt mit ein paar kleinen Reparaturen, pünktlich in die Segelsaison zu starten. In dieser sollte das Flaggschiff der Universitäts- und Hansestadt Greifswald unter anderem nach Bornholm, Kopenhagen, Visby, Ystad, Danzig und Bremerhaven segeln. Wer sich auf einen Segeltörn mit der SSS Greif gefreut haben sollte, muss sich ein anderes Schiff für den Sommer suchen, denn aufgrund des baulichen Zustands des Schiffes können auf diesem keine Passagiere mehr transportiert werden.

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Greifswald musste wohl oder übel die diesjährige Saison absagen und nun das Geld zurücküberweisen, welches im Vorfeld schon geflossen war. Nach Aussagen der Stadt wird ist ein Ingenieurbüro beauftragt worden, ein Konzept für eine Grundsanierung und eine zweckmäßige Modernisierung der SSS Greif zu erarbeiten, welches Mitte des Jahres vorliegen soll. Bei dieser soll der große Schlafraum in kleinere Kabinen umgewandelt werden, das Deck und die Aufbauten aufgearbeitet, die Takelage in Teilen erneuert und der Antrieb ausgetauscht werden. Damit die SSS Greif als mobiles Denkmal erhalten bleiben kann, muss der Eigenbetrieb bei den Planungen mit dem Denkmalschutz zusammenarbeiten. Um die angedachte Grundsanierung des Schiffes finanziell stemmen zu können, wird zudem nach möglichen Fördermitteln gesucht. Wenn das Sanierungskonzept vorliegt, steht die Greifswalder Bürgerschaft vor der schwierigen Entscheidung, über das weitere Schicksal der SSS Greif entscheiden zu müssen. Bis dahin wird sie im Hafen von Greifswald-Wieck liegen.



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