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Theater Vorpommern – Sechs Tanzstunden in sechs Wochen

Theater Greifswald
Theater Greifswald

Es gibt an Theatern immer wieder Stücke, die beim Publikum so beliebt sind, dass sie immer wieder ihren Platz im Programmheft finden. Neben dem schon seit 2006 aufgeführten Musical Heute Abend: Lola Blau kann man in dieser Spielzeit auch weitere Aufführungen der Komödie Sechs Tanzstunden in sechs Wochen von Richard Alfieri sehen. Während beim erstgenannten Stück ein paar Änderungen gibt, denn statt Christina Winkel wird man Claudia Lüftenegger in der Neuauflage des humorvollen Musicals von Georg Kreisler erleben, bleibt bei Sechs Tanzstunden in sechs Wochen alles beim Alten. Zumindest was die Besetzung betrifft, denn statt der Probenbühne des Greifswalder Theaters ist nun der Rubenowsaal der Ort der Begegnung der beiden Protagonisten des Stückes, welche charakterlich nicht unterschiedlich hätten sein können. Zum einen wäre da Lily Harrison, die verwitwete Frau eines Baptistenpredigers, zum anderen Michael Minetti, ein arbeitsloser schwuler Broadwaytänzer.

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Die Geschichte beginnt mit dem Treffen von Lily Harrison und Michael Minetti, der von ihr als Tanzlehrer engagiert wurde. Der rüstigen alten Dame ist die temperamentvolle und allzu offene Art ihres neuen Tanzlehrers nicht genehm, so kommen sich beide schon kurz nach ihrem Kennenlernen in die Wolle. Die zwischenmenschliche Beziehung der beiden beginnt sich nach den anfänglichen Vorurteilen, die beide gegenüber dem anderen pflegen, im Laufe der Wochen immer persönlicher zu werden, bis schließlich eine Freundschaft zwischen den beiden entsteht. Die Wahrheiten, welche beide Protagonisten voreinander verbergen, kommen aber nur nach und nach ans Tageslicht, und zwar immer dann, wenn sie sich bei ihren Streitgesprächen ihre Vorurteile gegenseitig an die Köpfe knallen. So entpuppt sich die verknöcherte alte Schachtel als eine Frau, welche in ihrem Leben unter der Sittenstrenge ihres Mannes gelitten hat und nun mit Hilfe der Tanzstunden ihre Einsamkeit bekämpfen möchte, das unseliges Scheusal als enttäuschter Mann, der sich als Außenseiter der heteronormativen Gesellschaft fühlt.

Das Stück, welches 2001 im Geffen Playhouse Westwood seine Weltpremiere feierte, gilt auch als eines der beliebtesten zeitgenössischen Stücke auf deutschen Bühnen. In mehr als fünfzig hiesigen Theatern soll es inzwischen schon inszeniert worden sein. Dass die für die Inszenierung wichtigen Tanzeinlagen professionell ausfielen, ist der Choreografin Sabrina Sadowska zu verdanken, welche den beiden Schauspielern den letzten Schliff verpasste. Für die Inszenierung von Sechs Tanzstunden in sechs Wochen war übrigens Matthias Nagatis verantwortlich, der zur damaligen Zeit noch der Schauspieldirektor am Theater Vorpommern war. Für diejenigen, welche bisher noch keine Gelegenheit hatten, den Streit, den die beiden bei ihren Tanzstunden austragen, zu sehen, bietet die Wiederaufnahme ins Programm eine gute Gelegenheit, dieses nun nachzuholen.