Turnhallen statt Wohnungen? Die ersten Kritiken werden laut

Sporthalle der Berufsschule Greifswald
Sporthalle der Berufsschule Greifswald

Dass der Landkreis Vorpommern-Greifswald kein homogenes Gebilde ist, merkt man an vielen Dingen, wobei man die Unterschiede beim Wohnungsmarkt am deutlichsten erkennen kann. Während in der Kreisstadt Greifswald, dank der Universität, so gut wie keinen Leerstand gibt, und auf der Insel Usedom ein Mangel an Wohnungen herrscht, gibt es im Landkreis zahlreiche Gemeinden mit kommunalen Wohnungsbauunternehmen, die seit Jahren einen Leerstand zu beklagen haben, der sich negativ auf die Bilanzen der jeweiligen Unternehmen und nachfolgend auf die Haushalte der zumeist klammen Gemeinden auswirkt. Die vor Kurzem getätigte Berichterstattung über den großen Leerstand der Grundstücks- und Wohnungswirtschafts GmbH Anklam, den der Vorsitzende des Aufsichtsrates und Bürgermeister der Hansestadt Anklam Michael Galander am liebsten mit der Belegung mit Flüchtlingen verringern möchte, bringt den Vorsitzenden der CDU-Fraktion der Greifswalder Bürgerschaft Axel Hochschild zu einer Kritik an der mangelhaften Planung der Kreisverwaltung, welche die vorhandenen Potenziale im Landkreis nicht ausschöpft und dafür lieber Chaos produziert.

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Dieses wurde vor wenigen Tagen ersichtlich, als die Hansestadt Greifswald auf Wunsch der Kreisverwaltung die Turnhalle der Berufsschule zu einer Notunterkunft für sechzig Personen umwandelte. Dieses geschah praktisch von heute auf morgen, was mehr als überdeutlich auf ein fehlendes Konzept für die Lösung der Flüchtlingsproblematik hinweist. Nachdem die AfD das Belegen einer Turnhallen recht zeitnah als eine typische Maßnahme bei einem Katastrophenfall kritisierte, brauchte die CDU für ihr Lebenszeichen etwas länger, denn bevor die umgeschriebene Pressemitteilung der Stadt in gedruckter Form auf dem Frühstückstisch liegt, dauert es halt etwas länger. Daher dürfte Herrn Hochschilds Aussage, dass alle Greifswalder Kommunalpolitiker über diesen Vorfall aus der Zeitung erfahren haben, ins Reich der Legenden verwiesen werden.

Zumindest bei seiner Einschätzung, dass es ein Skandal ist, dass statt freistehender Wohnungen Turnhallen als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt werden, dürfte er richtiger gelegen haben, denn durch die pauschalen Zuweisungen von Flüchtlingen dürfte die Lösung des Problems nicht einfacher machen, wie es die Errichtung der der Notunterkunft in der Greifswalder Sporthalle zeigt. In seiner Stellungnahme fordert Axel Hochschild eine Prüfung der Möglichkeiten zur Unterbringung im gesamten Landkreis, bei der zwar keine Regionen ausgespart, und auch die Hansestadt Greifswald und die Insel Usedom in die Pflicht genommen werden sollen, so die vorhandenen Möglichkeiten aber besser ausgeschöpft werden können. Von den übrigen Fraktionen der Greifswalder Bürgerschaft gibt es derzeitig noch keine Stellungnahmen zum Thema, sie werden wohl erst beim Frühstück am Montagmorgen davon erfahren, und dabei indirekt Herrn Hochschilds Aussage über die einseitigen Informationsquellen der meisten Greifswalder Stadtvertreter leider bestätigen müssen.