Theater Vorpommern – Bandscheibenvorfall

Theater Greifswald
Theater Greifswald

Wir befinden uns im Vorzimmer des Chefbüros. An diesem Ort siedelt Ingrid Lausund die Handlung ihrer Komödie Bandscheibenvorfall, einen Ort den die Protagonisten des Stückes allesamt nicht mögen, denn sie sind zu einem Gespräch mit dem Chef zitiert worden. Hier sitzen sie nun und warten auf ihre Gespräche, allesamt mit der Angst dass sie ihren Job verlieren könnten. Unbegründet scheint ihre Angst nicht zu sein, die Arbeitsplätze in der freien Wirtschaft sind nicht sicher und Kollegen mit denen man sich sonst gut verstehen würde, mutieren in dieser Situation zu Konkurrenten um die verbleibenden Stellen. Die Frage nach dem was ihr Chef von ihnen möchte bewegt sie alle, keiner weiß etwas genaues, die beste Grundlage um die verschiedensten Vermutungen anzustellen und sich dementsprechend zu benehmen. Ingrid Lausund versammelt in ihrem Stück die unterschiedlichsten Charaktere, welche man wohl in jedem größeren Büro wiederfinden kann.

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Angefangen vom Alphamännchen Kretzky (Ronny Winter), der seinen Aufstieg in der Hierarchie vor sich sieht, über das gewissenhafte Arbeitstier (Jan Bernhardt), der typischen intriganten Karrierefrau Frau Schmidt, der guten Seele des Büros Frau Kristensen (Josefine Schönbrodt), bis hin zum Außenseiter (Sören Ergang). Die handelnden Charaktere sind an sich eher Stereotypen, in ihrer Ausprägung geeignet um sich und andere Leute in diesen Figuren wiedererkennen zu können. Was Ingrid Lausund auch bezweckt, denn mit Bandscheibenvorfall will sie dem Publikum den sprichwörtlichen Spiegel vors Gesicht halten. Ein Abend für Leute mit Haltungsschäden, treffender als mit dem Untertitel des Stückes kann man das Verhalten der fünf Büroinsassen nicht beschreiben, denn im tagtäglichen Kampf um ihren Arbeitsplatz, verlieren sie ihr Rückgrat. Wer spielt seine Rolle am glaubwürdigsten? Wer verbiegt sich wieweit um dem Chef zu gefallen? Wer verhält sich am unkollegialsten um nach oben zu gelangen? Aber alles das was auf der Bühne mit bitterbösen Humor gespielt wird, ist eine Kritik an der Gesellschaft, einer Gesellschaft, die sich um die menschlichen Schicksale im Arbeitsleben nicht wirklich schert.

Allzu lang ist die Liste der eigenen Inszenierungen noch nicht, die Jonas Hien hinter sich gebracht hat. Mit der Inszenierung der Komödie Offene Zweierbeziehung am Theater der Altmark in Stendal, bei in der Claudia Lüftenegger einer der beiden Hauptrollen zu sehen war, wechselte er 2011 zum ersten Mal die Seiten. Am Theater Magdeburg sollte mit Superheld – Wer bin ich und wenn ja, was kann ich? eine weitere Komödie folgen. Das Komödiantische liegt Jonas Hien anscheinend, denn zusammen mit seinen Bühnenpartner Sebastian Kaufmane kreierte er das Comedyduo Stulle und Bulle mit dem sie recht erfolgreich durch Deutschland touren. Mit Bandscheibenvorfall kann er nun eines der komödiantischeren Stücke von Ingrid Lausund auf die Bühne bringen, viel humorvoller als es beispielsweise ihr Stück Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner wäre, in dem es um mehr oder weniger falsche Betroffenheit geht. Somit bekommt das vorpommersche Publikum den Anblick von fünf Protagonisten, die im von Christof von Büren eingerichteten Büro, nach und nach ihr Rückgrat verlieren.

Premieren
18. April 2013 Rubenowsaal Greifswald
25. April 2013 Gustav-Adolf-Saal Stralsund
28. April 2013 Theater Putbus