Wie das Vermögen der Greif verfrühstückt wurde

Segelschulschiff Greif
Segelschulschiff Greif

Seit über zwanzig Jahren ist das Segelschulschiff Greif das schwimmende Wahrzeichen der Hansestadt, ein Wahrzeichen welches in der letzten Zeit in stürmische Gewässer geraten ist. Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt haben sich in den letzten Monaten zahlreiche Freunde des Schiffes getroffen, um mit ihren Ideen den Untergang der Greif abzuwenden. Ob dieses Anliegen gelingen kann, liegt auch in den Händen der aktuellen Bürgerschaft, welche letztendlich über das Schicksal des Schiffes entscheiden muss. Diese Frage wird auch eine finanzielle sein, denn letztendlich wird das Geld über die Existenz des im Jahre 1951 vom Stapel gelaufenen Schiffs entscheiden. Denn die derzeitigen Bürgerschaftsmitglieder haben bei ihrer Entscheidung eine Suppe auszulöffeln, welche ihnen ihre Vorgänger in den letzten zwanzig Jahren eingebrockt haben. Um ganz ehrlich zu sein, waren es auch einige der aktuellen Bürgerschaftsmitglieder, die früheren Kursveränderungen ablehnend gegenüberstanden und so das Schiff in Richtung Eisberg treiben ließen. Allzu tief in die Zahlen muss man nicht schauen, um falsche Entscheidungen zu erkennen, denn es reicht völlig aus, in die vergangenen Jahresabschlüsse des See- und Tauchsportzentrums zu schauen, die der Öffentlichkeit frei zugänglich sind.

Als die Wilhelm Pieck in den Besitz der Hansestadt Greifswald überging, war die Mitgift nicht gerade als gering zu bezeichnen, denn schließlich wechselte auch das gesamte Vermögen der ehemaligen Marineschule in das Eigentum der Hansestadt, welches dieses für gemeinnützige Zwecke verwenden sollte. Nachdem das Schiff den Namen Greif erhielt wurde das See- und Tauchsportzentrum gegründet, welches seitdem als kommunaler Eigenbetrieb für die Greif verantwortlich ist. Da sich ein Segelschulschiff wirtschaftlich nicht selbst tragen kann, wurde der jährlich anfallende Verlust aus dem Vermögen des Eigenbetriebes bestritten, das im Jahre 1991 etwa 8 Millionen DM betrug. Jahr für Jahr wurden so die gesamten Vermögenswerte verfrühstückt, welche die Hansestadt Greifswald einst von der Treuhandanstalt übertragen bekommen hat. Die Verwendung zum Ausgleich der Verluste ist mit der dem dafür erhaltenen Finanzmitteln soweit in Ordnung, wäre da nicht die Bilanz des See- und Tauchsportzentrums, die durch eine höchstdefizitäre Bewirtschaftung der Pension Schipp in einen deutlich höheren Verlust ausweisen muss. Ein zusätzlicher Verlust, der übrigens höher ausfällt, als die durch die Pension generierten Umsätze.

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Die durchschnittliche Auslastung von 45 Prozent rechnen sich die Verantwortlichen schön, indem sie auf die Statistiken des Tourismusverbandes von Mecklenburg-Vorpommern verweisen, welche für das Jahr 2013 eine Auslastung von etwa 30 Prozent ausweist. Was auf den ersten Blick nach einem wirtschaftlichen Erfolg ausschaut, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als relativ schwache Leistung, denn seit 2009 werden auch die Campingplätze in der Statistik beachtet, die pro Stellplatz mit vier Schlafgelegenheiten einbezogen werden. Ohne diese Vermengung nicht vergleichbarer Schlafgelegenheiten, würde der Wert etwa 10 Prozentpunkte über den heutigen Durchschnittswerten liegen. Aber auch die frühere Betrachtungsweise war nicht wirklich aussagekräftig, denn bei dieser wurden die Betten der für gewöhnlich gutausgelasteten Hotels und Pensionen größerer Orten zusammen mit den Pensionen und Ferienwohnungen betrachtet, welche sich eigentlich nur während der Urlaubssaison über eine gute Auslastung freuen können. Selbst Deutschlands größte Urlaubsinsel ist während des Winters nicht mehr als eine verschneite einsame Landschaft. Da die Pension Schipp in zudem nur saisonal betrieben wird, relativieren sich diese Zahlen noch weiter.

Gleich vier Leute benötigt man derzeitig um einen Umsatz von etwa 42000 Euro zu generieren. Neben der ganzjährig aktiven Objektleiterin sind es ein Hausmeister und zwei Servicekräfte, die sich als Teilzeitkräfte um den Betrieb der Pension kümmern. Für das Gebäude muss das See- und Tauchsportzentrum eine jährliche Miete von 16000 Euro an die Stadt zahlen. Hinzu kommen etwa 9000 Euro an Nebenkosten wie beispielsweise Heizung, Strom und Wasser. Bleiben unter dem Strich etwa 17000 Euro übrig, mit denen das Gehalt einer Vollzeitkraft und dreier Teilzeitkräfte bezahlt werden müssen. Wer auch nur ein paar Gramm Ahnung von Mathematik hat, weiß dass dieses so nicht funktionieren kann. Die seit etwa zehn Jahren betriebene Pension macht seit ihrer Eröffnung Verluste, Verluste die übrigens Jahr für Jahr aus den Rücklagen des Schiffes ausgeglichen wurden. In der Satzung des Eigenbetriebes findet man unter dem Punkt Unternehmenszweck auch den Betrieb des Schipp in als touristisches Zentrum in Greifswald-Wieck. Laut aktuellem Jahresabschluss dient das Tauchsportzentrum als Servicepunkt für Touristen, Gastsegler und Besucher von Greifswald.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald erhält von der Treuhand ein Schiff und Vermögenswerte im Wert von etwa acht Millionen DM, welche den gemeinnützigen Betrieb des Schiffes sicherstellen und die entstehenden Verluste ausgleichen sollen und vermengt diese Aufgabenstellung mit mehreren Angeboten, die rein gar nichts mit dem Betrieb eines Segelschulschiffs zu tun haben. Im Kernhaushalt findet man das Produkt 5.7.5.00 mit dem Titel Kommunale Tourismusförderung für das in diesem Jahr Ausgaben in Höhe 418200 Euro geplant sind, ein Topf aus welchem übrigens auch der Stadtmarketingverein seine Zuschüsse erhält. Über das See- und Tauchsportzentrum greift die Stadt zusätzlich noch der Greif in die Kasse, um den besagten Servicepunkt im Schipp in zu finanzieren. Den Vogel schießt sie aber mit dem Betrieb einer Pension ab, welche die Finanzlage des See- und Tauchsportzentrums weiter verschlechtert hat, anstatt zusätzliche Finanzmittel zu erwirtschaften, mit denen die Verluste des Segelschulschiffs hätten verringert werden können. Und die Bürgerschaft segnete es Jahr für Jahr ab…

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