Habemus Kulturwirtschaftsbericht oder Unkreative Steuergeldverschwendung – Ein Kommentar

Rathaus Greifswald
Rathaus Greifswald

Grundanliegen für diesen Bericht war es, aus den Zahlen Förderbedarfe für bestimmte Teilgruppen/
Erwerbsbereiche herzuleiten.

Dies kann auf Grund der Datenlage nicht geleistet werden.

Seite 22 Kultur- und Kreativwirtschaft in der Universitäts- und Hansestadt Greifswald 1. Statistische Betrachtungen Link

Erstellung eines Kulturwirtschaftsberichtes für die Universitäts- und Hansestadt Greifswald lautet der Titel der Drucksache 06/549.1, die im Januar 2016 in den verschiedenen Gremien der Bürgerschaft behandelt wurde. Nur die Ortsteilvertretungen von Riems und Schönwalde II sprechen sich für diese aus, alle anderen Gremien lehnten sie eindeutig ab, oder nahmen sie nur zur Kenntnis, also nicht wirklich ernst. Mit neunzehn Ja-Stimmen wurde der von Dr. Ulrich Rose und der Fraktion DIE LINKE eingebrachte Antrag am 28. Januar 2016 von der Bürgerschaft beschlossen, sechzehn Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen komplettierten das Abstimmungsergebnis. Am 19. April 2017 wurde der von der Statistikstelle erstellte Bericht über die Kultur- und Kreativwirtschaft in Greifswald veröffentlicht. Dieser hinterlässt nach seiner Lektüre weiterhin fragende Gesichter, denn die Datenlage ist, wie die Kritiker des unnützen Antrags schon im Vorfeld der Abstimmung anführten, alles andere als aussagefähig. Als Begründung diente der der Nutzen des Kulturwirtschaftsberichts als Einstieg für eine Kulturanalyse, nach der ein Kulturförderplan mit aus dem Daten des Kulturwirtschaftsberichts abzuleitenden Förderrichtlinien erstellt werden soll. Nur hat die Kultur- und Kreativwirtschaft zumeist wenig mit Kultur zu tun, denn die offizielle Definition der Kultur- und Kreativwirtschaft ist recht breit gefasst.

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Unter Kultur- und Kreativwirtschaft werden diejenigen Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen.

Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft

Die Kultur- und Kreativwirtschaft unterteilt sich zudem in folgende elf Branchen:

  • Architektur
  • Buch/Literatur
  • Darstellende Kunst
  • Design
  • Film
  • Kunst
  • Musik
  • Presse
  • Radio/TV
  • Software/Games
  • Werbung

Das Problem an der statistischen Auswertung ist, dass für diese alle möglichen Dinge in einen Topf geschmissen werden, die zumeist wenig mit einem kreativen Schaffensprozess zu tun haben. Darunter fällt beispielsweise die Verteilung und/oder mediale Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen, was nichts anderes als gewöhnlicher Einzelhandel ist, der einen Schwerpunkt auf diesen Produkten hat. Neben Buchhandlungen und Zeitungskiosken, fallen beispielsweise auch Geschäfte darunter, die mit Antiquitäten und antiken Teppichen handeln, im Filmbereich sind es wiederum Videotheken und Kinos, welche eine für die gestellten Anforderungen brauchbare Statistik verhindern. Diese Firmen, die zudem meist nur Teilzeitkräfte beschäftigen, sorgen statistisch gesehen für einen recht niedrigen Jahresverdienst in der sogenannten Kultur- und Kreativwirtschaft. Zudem betrachtet diese Statistik nur Unternehmen, welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind, ehrenamtliches Engagement fällt daher unter den Tisch. Die Greifswalder Kulturfestivals Nordischer Klang und PolenmARkT werden ehrenamtlich organisiert, sind daher im statistischen Sinne keine Kultur. Wie die Stadt auf Grundlage einer solch mangelhaften Datenbasis ihre Kulturförderpolitik gestalten soll, wissen offenbar nur die Antragsteller, denn schon im Vorfeld wurde die Art und Weise der Datenerfassung bemängelt. Der nun vorliegende Kulturwirtschaftsbericht taugt jedenfalls nur als gutes Beispiel für einen unnötig betriebenen Verwaltungsaufwand.