Der erste Bücherbaum in Greifswald

Greifswalder Bücherbaum
Greifswalder Bücherbaum

Wenn man derzeitig am Platz der Freiheit entlanggeht, dann fallen einem nicht nur die Straßensperrungen auf, mit denen die Stadtverwaltung die Machbarkeit der Diagonalquerung testen will, sondern auch ein kunstvoll gestaltetes Gebilde, was man neben der Bushaltestelle in der Anklamer Straße platziert hat. Auf dem ersten Blick könnte man es für Kunst im öffentlichen Raum halten, welches der Künstler dort platziert hat. Bei genauerer Betrachtung fällt aber auf, dass das Gebilde neben seiner detailverliebten Gestaltung in Bücherform auch einen äußerst praktischen Nutzen besitzt, denn hierbei handelt es sich um den ersten Bücherbaum in Greifswald.

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Bei genauerer Betrachtung weicht der der vom Stralsunder Bildhauer Raik Vicent geschaffene Bücherbaum zwar von der ursprünglichen Planung ab, denn dieser sollte nach Aussagen der eigentlichen Initiatorin des Projektes ähnlich wie bei den Vorbildern in Berlin wie ein Baum gestaltet werden, woher sich schließlich auch die Bezeichnung für diese Einrichtung erklären lässt. Mit diesem mobilen Exemplar konnte aber ein Schritt in die richtige Richtung gegangen werden, der das Prinzip der Bücherbäume in Greifswald etablieren soll. Während die Originale sonst fest an bestimmte Standorte gebunden sind, soll der erste in Greifswald aufgestellte Bücherbaum von Zeit zu Zeit seinen Standort wechseln. Damit soll zum einen das Projekt des kostenlosen Büchertausch bekannter gemacht werden, zum anderen auch die Akzeptanz in den verschiedenen Stadtteilen ermittelt werden, um festzustellen, an welchen Standorten weitere Exemplare aufgestellt werden könnten.

Die Idee der Bücherbäume ist eine weitere Spielart des Bookcrossing, wie das kostenlose Tauschen von Büchern genannt wird. Hierbei kann man seine nicht mehr benötigten Bücher in den Bücherbäumen deponieren, um so anderen Leuten die Möglichkeit zu geben, diese kostenlos mit nach Hause zu nehmen. Dieses Prinzip schafft gleich die Lösung für mehrere Probleme. Zum einen stehen die Bücher nicht mehr in irgendwelchen Regalen herum und stauben unnötig zu, während andere Leute kostenlos in den Genuss von Büchern gelangen können, welche sie sich sonst nicht hätten leisten können. Nachdem man diese durchgelesen hat, kann man sie dort wieder deponieren und sich eine andere Lektüre mit nach Hause nehmen. Die Bücherbäume schaffen es nicht nur etwas mehr Bildung unter die Leute zu bringen, sie schonen zugleich die Geldbeutel, zum anderen aber auch die Umwelt, da die mehrfach gelesenen Bücher nicht entsorgt werden beziehungsweise nicht unnötig oft gedruckt werden müssen. Bei dem Engagement, welches in dieses Projekt gesteckt wurde, bleibt daher nur zu hoffen, dass die Bücherbäume von den Greifswaldern angenommen werden und nicht das Opfer von Vandalismus, wie man ihn leider hier noch viel zu oft vorfinden kann.