Dumm, dümmer, Kulturamt oder Warum Lund sauer auf Greifswald ist

Orchester der Kulturschule Lund
Orchester der Kulturschule Lund

Seit dem Jahre 1990 ist die südschwedische Universitätsstadt Lund eine Partnerstadt von Greifswald und dank dieser Partnerschaft gibt es überhaupt die Greifswalder Kulturnacht, den wahrscheinlich kulturellen Höhepunkt des Jahres im Greifswalder Kulturkalender. Zwischen dreihundert und vierhundert verschiedene Programmangebote bietet die Kulturnatten Jahr für Jahr ihren mehr als fünfzigtausend Besuchern ein buntes Spektrum an kulturellen Veranstaltungen, das von Konzerten und Theateraufführungen über Filmvorführungen und Ausstellungen bis hin zu vielfältigen Mitmachangeboten reicht. Bei der Fülle an kulturellen Veranstaltungen beginnt die Kulturnatten in Lund schon zum Mittag, sodass man die Möglichkeit hat, viel von den kulturellen Angeboten mitzunehmen, welches Lund zu bieten hat. Seitdem die Lunder vor über dreißig Jahren ihre Kulturnatten ins Leben gerufen haben, erfreut sich diese Veranstaltungsreihe großer Beliebtheit, nicht nur in Lund, sondern auch in anderen schwedischen Städten, welche sich diese Veranstaltungsreihe zum Vorbild genommen haben.

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Aber auch Städte im benachbarten Ausland waren von der Idee ganz angetan, so auch die Vertreter von Greifswald, die des Öfteren im Rahmen der Kulturnatten in Lund weilten und mit der Kulturnacht ein ähnliches Angebot in Greifswald etablierten. In diesem Jahr gab es nun schon die dreizehnte Ausgabe der Greifswalder Kulturnacht, die auch mit einem Konzert des Orchesters der Kulturschule Lund aufwarten konnte. Derzeitig ist die Stimmung nicht nur in Lund aber etwas gereizt, denn über die Entscheidung des Kulturamtes, die Greifswalder Kulturnacht um eine Woche nach hinten zu verlagern, sind auch Greifswalder verärgert, die aufrund der kollidierenden Termine, in ihrer Zusammenarbeit mit ihren schwedischen Partnerorganisationen behindert werden. War es bisher immer so, dass die Greifswalder Kulturnacht am zweiten Septemberwochenende und die Lunder Kulturnatten stattfand, sodass sich die Greifswalder in Lund und die Lunder in Greifswald kulturell präsentieren konnten, soll die Greifswalder Kulturnacht nun am selben Wochenende stattfinden.

Ein Beitrag aus Lund wird so nicht mehr möglich sein, da die Lunder Kulturnatten eine Präsentation des kulturellen Angebots der Stadt darstellt und man dann doch eher auf einen Auftritt in der deutschen Partnerstadt verzichten muss. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die Lunder ihre Greifswalder Partner mit offenen Armen empfangen und ihnen ständig ein sprichwörtliches Extrabrot geschmiert haben, ist diese Entscheidung, den Termin der Veranstaltung zu verlegen, eine mehr als offensichtliche Dummheit. Denn dadurch wird die Zusammenarbeit der beiden Kommunen, die, nach Aussagen von der Entscheidung Betroffener, von der schwedischer Seite gerne weiter ausgebaut werden soll, von deutscher Seite aber eher vernachlässigt wird, empfindlich gestört. Interessant dazu ist die Begründung, mit der das Greifswalder Kulturamt seine Entscheidung bekräftigte. Statt interessant könnte man aber eher lächerlich dazu sagen, denn hierfür wurde der Tag des Offenen Denkmals bemüht. Dieser fand bisher am selben Wochenende statt.

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Weshalb sich diese beiden Veranstaltungen aber so viel Konkurrenz machen sollten, dass es notwendig gewesen wäre, diese auf verschiedene Wochenenden zu verteilen, verschließt sich jedem, der beide Veranstaltungen besucht. Während die Greifswalder Kulturnacht altersmäßig auf ein recht breitgestreutes Publikum verweisen kann, ist der Tag des offenen Denkmals mehr eine Informationsveranstaltung für Senioren und einige wenige geschichtlich interessierte Leute, welche den anderen Teilnehmern der Veranstaltung in der übrigen Zeit des Jahres ihre Rente finanzieren. Die Argumentation des Kulturamtes dürfte daher bei genauerer Betrachtung nicht wirklich belastbar sein. Die Greifswalder Bürgerschaft sollte sich daher fragen, wie ernst sie die Zusammenarbeit mit ihren Partnerstädten wirklich meint und entsprechend gegensteuern, denn noch dürfte diese Entscheidung abänderbar sein.

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