Georg Engel zum 150. Geburtstag

Engelstein Greifswald
Engelstein Greifswald

Meiner Vaterstadt Greifswald

Du liebe Alte, hoch am Meer,
Mit blauen Augen, weißen Haaren,
Wann wird mir wohl die Wiederkehr
Nach all den langen Wanderjahren?

Wann wirst du mir den Schemel rücken
Und sprechen: »Jünging, ruh di ut«?
Wann werd‘ ich leis die Hand dir drücken
Und fragen: »Mudding, büst mi gut?«

Vielleicht bin ich schon siech und grau.
Bevor der Weg zu dir durchmessen.
Du liebe, gute, alte Frau,
Vergiß mich nicht, ich werd‘ dich nie vergessen.

Georg Engel – Hann Klüth, der Philosoph – Kapitel 1

Mit diesen Worten widmete der Autor Georg Engel der Stadt, in der er einst seine Kindheitjahre verbrachte, seinen im Jahre 1905 erschienenen Roman Hann Klüth, der Philosoph. Wandert man durch den bei Eldena gelegenen Elisenhain, kommt man fast schon zwangsläufig am sogenannten Engelstein vorbei, einem großen Findling, unter dem er seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Gäbe es nicht auch die Georg-Engel-Straße in Greifswald, wäre dieser einsame Platz in der Natur die einzige Erinnerung an den Greifswalder Schriftsteller, den man im direkten Vergleich mit Hans Fallada oder Wolfgang Koeppen eigentlich nur als einen völlig Unbekannten einordnen könnte.

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Dies dürfte wohl hauptsächlich der im Jahre 1933 durch die Nationalsozialisten veranstalteten Bücherverbrennungen zu verdanken sein, welche die Werke des zwei Jahre zuvor verstorbenen Autors aus den öffentlichen Bibliotheken holte und öffentlichkeitswirksam verbrannte. Auch seine Theaterstücke wurden nicht weiter aufgeführt, so dass Georg Engels literarisches Werk schließlich in Vergessenheit geriet. Da seine Bücher aber recht hohe Auflagen aufwiesen, blieben einige Exemplare erhalten, so dass seine Werke mit Ausnahme einiger Neuauflagen hauptsächlich nur als antiquarische Bücher erhältlich sind. Zu Letzteren gehört der Roman Hann Klüth, zu Ersteren die Novellensammlung Die Leute von Moorluke. Was beide Werke eint, ist die Tatsache, dass er deren Handlungen in seiner Heimatstadt Greifswald angesiedelt hat.

Anlässlich seines hundtertfünfzigsten Geburtstages widmen ihm die Bücherfreunde Greifswald e.V. und die Pommersche Literaturgesellschaft e.V. gemeinsam einen kulturellen Abend, der das Publikum mit dem Leben des Autors und seinem Werk vertraut machen soll. Hierzu wird der emeritierte Prof. Dr Gunnar Müller-Waldeck einen Vortrag über sein Leben halten, während die Schauspielerin Josefine Schönbrodt in Form einer Lesung aus seinen Romanen Hann Klüth und Zauberin Circe Auszüge vortragen wird. Mit Musik des Greifswalder Panflötisten Gregor Klatt soll das Programm musikalisch abgerundet werden. Mit einem anschließenden Publikumsgespräch und einer kleinen Feier soll der Abend über den Autor Georg Engel gesellig beendet werden, für den übrigens kein Eintritt erhoben wird.

Termin
Mittwoch 02. November 2016
20:00 Uhr Falladahaus
kostenloser Eintritt