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Pommersches Landesmuseum – Luthers Norden

Pommersches Landesmuseum
Pommersches Landesmuseum

Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt! – Der Dominikanermönch Johann Tetzel betrieb den Ablasshandel mehr wie ein Marktschreier als ein Geistlicher, und brachte mit seinem verhalten Martin Luther gegen sich auf. Eigentlich war er nur einer von vielen Ablasshändlern, die in deutschen Landen ihr Unwesen trieben, und in Wittenberg traf er auf Martin Luther. Dieser wirkte seinerzeit als Theologieprofessor an der Wittenburger Universität und in der Wittenberger Stadtkirche konnte man seinen Predigten lauschen. Mit der Zeit wurden die Bänke in vor seiner Kanzel immer leerer, denn die Gläubigen nutzen lieber die Ablassbriefe, mit denen Johann Tetzel und andere Ablasshändlern ihnen ihr Seelenheil verkauften. Zumindest gaben diese es vor, floss doch das Geld nach Rom, um dort den Bau des Petersdomes und das luxuriöse Leben des Klerus zu finanzieren, beziehungsweise zu den örtlichen Bischöfen, die mit der Durchführung des Ablasshandels beauftragt wurden. Und so war es der Erzbischof Albrecht von Brandenburg, an den sich Luther wandte, um ihm seinen Unmut über den grassierenden Ablasshandel mitzuteilen. Anbei legte er seine 95 Thesen, der Anschlag der Thesen an die Wittenberger Schlosskirche soll jedenfalls nicht stattgefunden haben, da diese öffentlichkeitswirksame Aktion erst nach seinem Ableben überhaupt thematisiert wurde, und daher eher der Legendenbildung durch seine Anhänger diente. Dank des Schutzes durch seinen Landesherren Kurfürst Friedrich III. von Sachsen landete der als Ketzer verurteilte Luther nicht auf dem Scheiterhaufen, sondern als Junker Jörg auf der Wartburg, wo er die Bibel ins Deutsche übersetzte.

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Im Gegensatz zu früheren Übersetzungen orientierte er sich an den hebräischen und griechischen Urtexten und nutzte eine volksnahe Sprache, so dass diejenigen Leute, welche des Lesens mächtig waren, den gelesenen Text auch verstehen konnten. Hierzu verzichtete Luther auf eine wortwörtliche Übersetzung, sondern übertrug die Bibel sinngemäß mit Hilfe einer bildlichen Sprache. Nebenbei sorgte er für eine Vereinheitlichung des Schriftbildes der deutschen Sprache und durch der Verwendung des Obersächsischen, in dem im Gegensatz zu anderen Dialekten, das Endungs-e noch erhalten war, kehrte dieses wieder in die deutsche Sprache zurück. In seinem Sendbrief vom Dolmetschen brachte er seine Arbeitsweise mit man mus die mutter jhm hause/ die kinder auff der gassen/ den gemeinen mann auff dem marckt drumb fragen/ und den selbigen auff das maul sehen/ wie sie reden/ und darnach dolmetzschen/ so verstehen sie es den/ und mercken/ das man Deutsch mit jn redet. auf den Punkt, und auch heutzutage schaut man immer noch dem Volk aufs Maul, ist ein Lästermaul, Lockvogel, Bluthund oder Lückenbüßer, ärgert sich über Schandflecke, wird von Gewissensbissen geplagt, spricht ein Machtwort, wirft Perlen vor die Säue, beißt die Zähne zusammen, baut auf Sand, wirft Perlen vor die Säue, posaunt etwas aus, tappt im Dunklen, ist ein Wolf im Schafspelz oder ein Herz und eine Seele … Martin Luthers Ausdrücke und metaphorische Redewendungen prägen noch immer die Umgangssprache der Deutschen.

Der 31. Oktober des Jahres 1517 ist das offizielle Datum, welches die christliche Welt prägen sollte, denn die 95 Thesen, mit denen Martin Luther nur seinen Unmut ausdrücken wollte, führten letztendlich zu einer Reformation, welche nicht nur die Kirche spaltete, sondern langfristig auch zu einer Trennung von Staat und Kirche führen sollte. Martin Luther wirkte zwar nicht selbst in Norddeutschland, die Reformation trieb hier der von ihm als Doktor Pommer genannte Johannes Bugenhagen voran, seine Ideen sollten hier aber auf interessierte Ohren stoßen. So findet man die drei Reformatoren Martin Luther, Johannes Bugenhagen und Philipp Melanchthon auf dem Teppich mit den Sächsisch und Pomerischen Herren, auch Lutheri und anderer Gelahreten Conterfey wieder, auf dem die am am 27. Februar 1536 in Torgau gefeierte Hochzeit von Herzog Philipp I. von Pommern mit Maria von Sachsen, der ältesten Tochter von Kurfürst Johann von Sachsen, dargestellt wird. Der als Croÿ-Teppich bezeichnete Teppich gehört zu den wertvollsten Exponaten, die für diese Sonderausstellung zusammengetragen wurden. Neben originalen Drucken von Martin Luther und Johannes Bugenhagen, findet man unter anderem auch die Drucke der Holzschnittserie Die kleine Passion von Albrecht Dürer in den Ausstellungsräumen wieder. Aber auch religiöse Kunstwerke aus der Region Vorpommern, wie beispielsweise der Kelch aus dem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster in Krummin auf der Insel Usedom oder das in Sammlung der Kunsthalle Hamburg befindliche Altarbild Petrus auf dem Meer von Philipp Otto Runge sind unter den Exponaten.

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Zusammen mit dem Pommerschen Landesmuseum und Landesmuseen Schleswig-Holstein hat die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland eine Ausstellung realisiert, welche sich mit der Geschichte der Reformation in Pommern, Mecklenburg, Schleswig-Holstein und Dänemark und deren Auswirkung beschäftigt. So wird diese zuerst im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald zu sehen sein, bevor sie dann im Schloss Gottorf präsentiert wird. Dank zahlreicher Leihgaben aus europäischen Museen, werden nicht nur Exponate aus den Sammlungen der beiden Museen zu sehen sein. War es seinerzeit der Buchdruck, mit dem die Ideen der Reformation medial verbreitet werden konnten, sind es heutzutage Animationen und Medientische, mit denen das Wissen spielerisch vermittelt werden soll. Dieses richtet sich in seiner Art der Darstellung an ein breites Publikum, Erwachsene und Kinder gleichermaßen, was man unter anderem an einem animierten Film sehen kann, der das Leben und Wirken von Johannes Bugenhagen beleuchtet, der von der Greifswalder Künstlerin Cindy Schmid erstellt wurde. Auch zur Ausstellung Luthers Norden wird es eine Ausgabe der Tafelkultur geben, bei welcher man diejenigen Speisen genießen kann, welche sich einst auch der große Reformator Martin Luther hat servieren lassen. Mit einer Tagesexkursion zu bedeutenden Orten der Reformation in Mecklenburg-Vorpommern, die zum Katharinenkloster Stralsund, zum Clarissenkloster in Ribnitz-Damgarten, zum Münster in Bad Doberan und zur Klosterkirche nach Franzburg führt, verabschiedet sich die Ausstellung Luthers Norden endgültig aus Greifswald.

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Stationen

Pommersches Landesmuseum Greifswald
14. Mai bis 03. September 2017
Schloss Gottorf Schleswig
09. Oktober 2017 bis 28. Januar 2018

Termine (Auswahl)

14. Mai 2017 17:00 –
20:00 Uhr
Eröffnung
16. Mai 2017 19:00 Uhr Willi Winkler – Luther – Lesung
28. Mai 2017 11:30 Uhr Sonntagsführung
04. Juni 2017 11:30 Uhr Sonntagsführung
09. Juni 2017 19:00 Uhr Tafelkultur
21. Juni 2017 12:00 Uhr Kunstpause – Petrus auf dem Meer
05. Juli 2017 12:00 Uhr Kunstpause – Glaube und Kunst in Stube und Küche – Die Bibel auf Truhen, Öfen und Kissen
05. Juli 2017 17:00 Uhr Cranach und die neuen Bilder – Führung
24. August 2017 17:00 Uhr Führung
09. September 09:15 –
19:00 Uhr
Stätten der Reformation in Mecklenburg-Vorpommern – Tagesexkursion