Fairtrade Town Greifswald

Fairtrade-Produkte
Fairtrade-Produkte

Rostock ist es schon lange, Schwerin ist es auch schon und Greifswald möchte es werden: eine Fairtrade Town. Der dafür notwendige Beschluss mit dem aussagekräftigen Titel Nachhaltige Entwicklung Greifswald: Anwendung der UN 2030 Agenda-Ziele auf kommunaler Ebene und Beteiligung an der Kampagne Fairtrade Towns zur Erlangung des Titels Fairtrade Stadt Greifswald als eine Maßnahme dazu soll in der am 12. April stattfindenden Bürgerschaftssitzung verabschiedet werden. Man darf gespannt sein, wie der von der Stadtverwaltung eingebrachte Antrag von den Bürgerschaftsmitgliedern bewertet wird, denn bei den vorherigen Abstimmungen in den Ausschüssen erhielt er zwar immer eine eindeutige Mehrheit, aber auch einige Gegenstimmen. Besonders knapp fiel das Ergebnis im Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Kultur aus, in dem bei einer Enthaltung, acht Mitglieder für und sechs Mitglieder gegen den Antrag stimmten, dessen Beschlusstext übrigens folgendermaßen lautet:

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1. Die Bürgerschaft der Universitäts- und Hansestadt Greifswald beschließt die Annahme der Resolution 2030 Agenda für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten und bekennt sich somit zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Durch den Beschluss wird die Bereitschaft signalisiert, sich für ausgewählte Themen der Nachhaltigkeit zu engagieren und im Rahmen der Möglichkeiten entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
2. Als eine Maßnahme im Sinne dieser nachhaltigen Entwicklung und als deutliches Zeichen in die Stadtgesellschaft beteiligt sich die Stadt an der internationalen Kampagne Fairtrade Towns mit dem Ziel, den Titel Fairtrade Stadt zu erlangen.

Argumentiert wurde zumeist mit höheren Kosten, ein Argument welches bei genauerer Betrachtung nicht wirklich nachvollziehbar ist, denn die Steigerung der Kosten für den im Rathaus ausgeschenkten Kaffee dürfte sich bei den doch recht überschaubaren Mengen im Rahmen halten und die Stadt nicht in den Konkurs treiben. Auch etwaige Befürchtungen vor den in der Sachdarstellung dargestellten Anforderungen an eine Fairtrade Stadt kann man mit einer einfachen Recherche als völlig übertrieben zurückweisen. Als Fairtrade Stadt in der Größe von sechzigtausend Einwohnern benötigt man zwölf Geschäfte, sechs Gastronomiebetriebe und je eine Schule, Kirchengemeinde und Verein, sowie vier Medienartikel pro Jahr, welche die Fairtrade Stadt thematisieren. Die dafür benötigten zwölf Geschäfte stellen übrigens kein Problem dar, denn neben dem im St. Spiritus beheimateten Weltladen findet man auch einige Filialen von zertifizierten Handelsketten im Stadtgebiet, insgesamt sind es neun, für die man keinen Einzelnachweis mehr benötigt.

Wer beispielsweise bei Adler, Aldi Nord, Edeka, Lidl, Netto Marken-Discount, Norma, Penny, Rewe und Toom einkauft, kann dort einige Produkte erwerben, welche das Fairtrade-Siegel tragen. Da die Forderung nach mindestens zwei Produkten aus fairem Handel relativ einfach zu erfüllen ist, dürften auch die sechs gastronomischen Einrichtungen schnell gefunden sein, die fair gehandelten Tee und Kaffee auf ihre Getränkekarten setzten, falls es diese nicht schon längst in ausreichender Menge in Greifswald gibt. Auch bei den gesellschaftlichen Aktivitäten sind die Hürden nicht allzu hoch, beispielsweise erfüllt München diese Forderung mit dem Erwerb von fair gehandelten Sportbällen für die Schulen der Stadt. Greifswalds Partnerstadt Osnabrück ist übrigens schon seit dem 7. Dezember 2010 eine Fairtrade Town, übrigens die dreiunddreißigste Fairtrade Town in Deutschland. Anscheinend lohnt sich das Engagement auch für die Einzelhändler, denn statt den geforderten sechsundzwanzig sind es derzeitig sogar sechzig Geschäfte in Osnabrück, die fair gehandelte Produkte in ihrem Angebot haben.

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Mit der Bewerbung als Fairtrade Town möchte die Stadt Greifswald den fairen Handel weiter ausbauen und bekannter machen. Zudem sollen dadurch auch die hiesigen Konsumenten sensibilisiert werden. Die Stammkunden des vom Weltblick e.V. ehrenamtlich betriebenen Weltladens brauchen eine solche Sensibilisierung nicht mehr, denn seit über fünfundzwanzig Jahren sorgen sie mit ihren Einkäufen dafür, dass der Verein überhaupt die finanzielle Möglichkeit erhält, um die Bewohner des in El Salvador gelegenen Dorfes Mata de Piña, seit 1995 die offizielle Partnergemeinde des Greifswalder Weltladens, mit verschiedenen Bildungs- und Gesundheitsprojekten unterstützen zu können. Zumindest braucht man sich in diesem Geschäft nicht auf die Suche nach den fair gehandelten Produkten des Warenangebots zu machen, denn schließlich beträgt hier die Quote einhundert Prozent und nicht nur die mindestens zwei geforderten Produkte.