Päpke-Platz oder Carl-Paepke-Platz?

Carl-Paepke-Platz
Carl-Paepke-Platz

Manchmal ist es am besten einfach eine Kamera auf das Geschehen zu halten, das Leben bietet schließlich ausreichend Stoff für Realsatiren. Während der Diskussion über die Beschlussvorlage 05/1101 der Greifswalder Bürgerschaft war leider kein Kamerateam mehr anwesend, günstiger hätte man keinen humoristischen Beitrag produzieren können. Eigentlich hätte der von vier Fraktionen eingebrachte Vorschlag durchgewunken werden können, wäre nicht ein ä im Wege gewesen. Wie der einstige Greifswalder Bürgermeister Johann Carl Gottfried Paepke auf die zutiefst unterhaltsame Diskussion der heutigen Politikergeneration reagiert hätte, wäre reine Spekulation, ähnlich den zugrundeliegenden Annahmen bei der Diskussion über die angeblich richtige Schreibweise seines Nachnamens. Selbst Johann Carl Gottfried Paepke machte es den nachfolgenden Generationen nicht zu leicht, seine Leistungen für die Entwicklung der vorpommerschen Kleinstadt Greifswald rechtschreibtechnisch richtig zu gedenken, verwendete er angeblich mal diese mal jene Schreibweise. So lag es an den Bürgerschaftsmitgliedern demokratisch zu entscheiden, welche Schreibweise nur die einzig Wahre sein kann.

Als ob die Angelegenheit nicht schon skurril genug gewesen wäre, sollte auch die Formulierung des Antrages unter dieser unklaren Faktenlage abhängig sein. Forderten die antragstellenden Fraktionen Wiederbenennung der derzeitigen als Bahnhof-Platz bezeichneten Fläche in Carl-Paepke-Platz, äußerten sich die Anhänger der ä-Lösung, namentlich das Stadtarchiv und Kulturamt der Universitäts- und Hansestadt Greifswald, insoweit gegensätzlich, da es ihrer Meinung nach keine Wiederbenennung sein kann, da ihrer Meinung nach der Platz so nie geheißen habe, denn zum einen war der Vorname nie ein Bestandteil der Bezeichnung des Platzes, zum anderen vertraten sie die Auffassung dass sich der damalige Platz mit einem ä geschrieben habe. Was sich nun bot war ein Schlagabtausch mit in Stein gehauenen Argumenten, wobei die Befürworter von Paepke die Stele seines Denkmals und die Beschriftung seines Grabsteines, den seine Schwester in Auftrag gegeben haben soll, ins Felde trugen, kämpften die Befürworter von Päpke unter anderem mit von ihm unterzeichneten Schreiben, bei denen er ein ä verwendete.

Offensichtlich sollte man als Greifswalder Bürger frühzeitig testamentarisch festlegen, wie der eigene Name nach dem Todesfall richtig buchstabiert werden sol, zumindest wenn man niemand anderen die Deutungshoheit darüber geben möchte. Bei siebzehn Stimmen für Paepke, vierzehn Stimmen für Päpke und vier Enthaltungen stimmte die Greifswalder Bürgerschaft am Abend des 16. September 2013 für die Umbenennung des heutigen Bahnhof-Platzes in Carl-Paepke-Platz, welche am 1. November 2013 vollzogen werden soll, dem Tag an dem vor hundertfünfzig Jahren die erste Eisenbahn auf der Strecke Berlin-Stralsund auf dem Greifswalder Bahnhof hielt. Die Ermöglichung der Planung der Angermünde-Stralsunder Eisenbahn, als Konkurrenz zur Berliner Nordbahn war übrigens einer der größten Verdienste, mit dem der am 27. Februar 1797 in Greifswald geborene Johann Carl Gottfried Paepke sich nachhaltig für die Entwicklung seiner Heimatstadt einsetzte. Auch das städtische Wasserwerk und das dazugehörige Wasserleitungssystem, die städtische Gasanstalt, sowie der Ausbau der Häfen von Greifswald und Wieck wurden während seiner Amtszeit als Bürgermeister realisiert.

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Es ist schon bezeichnend für die heutige Generation, dass sie andere Probleme als diejenige hat, welche ihm zu Ehren den Platz vor dem Bahnhof benannte und dort ein Denkmal mit einer Büste aufstellte. Am 12. Juli des Jahres 1867 wurde das Denkmal enthüllt, ein Jahr später bekam der Platz auch seinen Namen. Dieser wurde 1945 in Liebknecht-Platz und 1950 in Lenin-Platz umbenannt. Im Jahre 1991 sollte dann auch mit der Umbenennung zum Bahnhof-Platz keine Spuren des einstigen Greifswalder Bürgermeisters geben, das Denkmal befand nicht mehr am einstigen Standort, die Büste wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Bei der ersten Ehrung scherte sich keiner ernsthaft darum, welche Schreibweise richtig war. Der Name am Denkmal lautete Paepke, der Platz wurde auf Stadtplänen mal mit ae und mal mit ä geschrieben. Das Interessante an der ganzen Geschichte ist übrigens die Tatsache, dass bei der am 27. Juni 2013, also erst vor wenigen Monaten, an der Steinbecker Straße 29 angebrachte Gedenktafel sich noch niemand über die Schreibweise seines Namens Gedanken gemacht hat. An diesem Haus kann man seitdem den mit goldenen Lettern gehaltenen Hinweistext lesen:

Hier wohnte
Dr. Carl Päpke 1797 – 1858
Greifswalder Bürgermeister 1846 – 1858
Verdienste um Eisenbahnanschluss
und Hafenerweiterung

Wo sind die Fernsehkameras eigentlich immer wenn man sie mal braucht?