Theater Vorpommern – Anatevka

Theater Greifswald
Theater Greifswald

Wenn ich einmal reich wär’ … wenn schon die eigene Arbeit nicht allzu viel Geld einbringt, müssen eben die eigenen Töchter reiche Ehemänner abbekommen, die ihm im Alter ein Leben im Wohlstand ermöglichen, denkt sich Milchmann Tevje (Manfred Ohnoutka) und schaut sich nach solch guten Partien um. Wir befinden uns im Jahre 1905 in dem kleinen ukrainischen Dorf Anatevka, in den es eine kleine jüdische Gemeinde gibt. Allzu viel Wohlstand hat der Landstrich nicht zu bieten, mit einer geschickten Heiratspolitik versucht der Held der Geschichte dieses Problem zu lösen, gerät dabei aber in einen Konflikt zwischen seinen traditionellen Werten und den Wünschen seiner Töchter. Während er ganz traditionell die Heiratsvermittlerin Jente (Claudia Lüftenegger) engagiert um seine älteste Tochter Zeitel (Frederike Duggen) mit dem zwar reichen, aber nicht mehr ganz so jungen Fleischer Lazar Wolf (Marco Bahr) zu verkuppeln, verlobt sie sich mit dem jungen aber armen Schneider Mottel (Sören Ergang).

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Aber nicht nur Zeitel macht seinen Heiratsplänen einen Strich durch die Rechnung, auch seine Töchter Hodel (Lena Wischhusen) und Chava (Susanne Kreckel) emanzipieren sich von den Erwartungen ihres Vaters. Dass sich Hodel in den von ihm als Hauslehrer engagierten Kiewer Studenten Perchik (Felix Meusel) verliebt, damit kann er noch halbwegs leben, dass sich seine Tochter Chava aber den jungen Russen Fedja (Georg Koball) heiraten möchte, kann er nicht dulden. Als ob die familiären Probleme nicht ausreichen würden, holt die Bewohner des Dorfes die Politik des Zaren ein, der die Juden aus seinem riesigen Reich vertreiben möchte. Seit einigen Jahren gibt es immer wieder Pogrome, am sich ständig verändernden Verhalten des örtlichen Polizisten (Markus Voigt) zeigt sich die zunehmende Feindlichkeit gegenüber, die letztendlich in der Vertreibung aus ihrer angestammten Heimat enden wird. Aber auch das Volk begehrt gegenüber dem zaristischen Regime auf. Perchik schließt sich den revolutionären Bestrebungen an und wird zur Strafe nach Sibirien verbannt, wohin ihm seine Verlobte Hodel folgen will.

Obwohl die Geschichte tragisch ausgeht, Tevje muss mit seiner Familie und den anderen Juden Anatevka verlassen, hat die Musik und der typisch jüdische Humor dem Musical eine hohe Popularität verschafft. Jahrhundertelange Traditionen zeigen sich beispielsweise in einer Ahnengalerie, entsprechend fällt die von Christopher Melching entworfene Kulisse aus, die auf den Nachbau eines ukrainischen Dorfes verzichtet und dafür eine Sammlung von Bildern präsentiert, die dem Publikum ihre Geschichten erzählen. Das man ein großes Orchester auch in das Bühnenbild einbinden kann, wurde in der letzten Spielzeit mit der Oper Kleider machen Leute bewiesen, Regisseur Dirk Löscher verzichtet aber auf eine große Orchestrierung und stellt stattdessen eine kleine Klezmerband auf die Bühne, die auf ihr wie eine typische Dorfkapelle agiert. Wer Klezmermusik mag sollte unbedingt bei der Premierenfeier in Greifswald beziehungsweise in Stralsund bleiben, denn für diese wurden ein Auftritt der Hamburger Klezmerband Mischpoke angekündigt.

Premieren

1. Februar 2014 19:30 Uhr
Theater Greifswald
21. Februar 2014 19:30 Uhr
Theater Putbus
14. März 2014 19:30 Uhr
Theater Stralsund

Ensemble

Dirk Löschner – Regie
Christopher Melching – Ausstattung
Dr. Sascha Löschner – Dramaturgie
Sebastian Undisz – musikalische Leitung

Manfred Ohnoutka – Tevje
Lena Wischhusen – Hodel
Frederike Duggen – Zeitel
Susanne Kreckel – Chava
Gabriele M. Püttner – Oma Zeitel, Schandel
Claudia Lüftenegger – Jente
Felix Meusel – Perchik
Marco Bahr – Lazar
Galina Lis – Fruma Sarah
Jan Bernhardt – Buchhändler Avram
Lutz Jesse – Gastwirt Motschach
Jörg F. Krüger – Bettler Nachum
Markus Voigt – Wachtmeister
Sören Ergang – Schneider Mottel
Tabea Scholz – Golde
Christopher Melching – Rabbi
Dennis Junge – Mendel
Ahmet Melih Colakoglu – Sascha
Georg Koball – Fedja



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