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Dirk Löschner darf nicht mehr inszenieren

Dirk Löschner
Dirk Löschner

Die Ballade vom traurigen Café sollte das Publikum spalten, das Musical Anatevka einen. Beide Inszenierungen vereint ein Regisseur, ein Regisseur, der keiner mehr sein darf. Zumindest nach der Entscheidung, welche die Gesellschafterversammlung der Theater Vorpommern GmbH am vergangenen Freitag fällte und vom Intendanten des Theater Vorpommern akzeptiert wurde. Ein paar Wochen zuvor beschloss der Aufsichtsrat des Theaters eine im Vertrag vorhandene Kündigungsklausel zu nutzen und eine vorzeitige Abberufung des Theaterchefs zu fordern. Das Pikante an diesem Beschluss ist aber, dass der Aufsichtsrat rein rechtlich zwar beschlussfähig war, die Tatsache aber ausnutzte, dass mehrere Befürworter Löschners bei dieser Sitzung nicht anwesend waren. So standen die Gesellschafter des Theaters nun vor der undankbaren Aufgabe, mit einem drastischen Beschluss umzugehen, hinter dem eigentlich nur fünf der elf Aufsichtsratsmitglieder standen.

Das Ergebnis war die Annahme eines vom Aufsichtsrat unterbreiteten Alternativangebotes, bei dem es zwar zu keiner Kündigung des Intendanten kommt, seine Tätigkeit aber auf die kaufmännische und künstlerische Leitung des Theaters beschränkt wird. Dieses beinhaltet aber auch einen Verzicht auf das Recht auf eigene Inszenierungen, so dass er sich auf die durch die Theaterstrukturreform in Mecklenburg-Vorpommern auftretenden Belange konzentrieren kann. Interessanterweise gehört dazu auch die Erstellung eines tragbaren Konzepts eines weiterhin selbstständigen Theater Vorpommern, weshalb wohl mit einigen Widerständen gegen die Pläne aus Schwerin zu rechnen ist, die Theater in Stralsund, Greifswald, Neubrandenburg und Neustrelitz unter einem Dach zu einen.