Die Galerie STP präsentiert ihre neuen Räumlichkeiten mit Fotografien von Thomas Hoepker

Eröffnung der Galerie STP

Lange Zeit bot das Haus in der Mühlenstraße 20 den Anblick einer Baustelle. Während aber der unfertige Anblick des Vorderhauses noch einige Zeit erhalten bleiben wird, konnte die fotografiebegeisterte Kulturszene Greifswalds am Freitagnachmittag die neuen Räumlichkeiten der Galerie STP in Augenschein nehmen. Vier Jahrzehnte lang wurde das Haus von der Freikirchlich Evangelischen Gemeinde, welche seit Anfang 2012 im ehemaligen Elektrizitätswerk beheimatet ist, als Gemeindehaus genutzt. Damals nutzte der in Behrenhoff lebende und als Allgemeinarzt praktizierende Dr. Peter Konschake die günstige Gelegenheit, das nun leerstehende Gebäude zu erwerben. Nur wenige Jahre zuvor eröffnete er und Hubert Schwarz am westlichen Ende der Langen Straße jeweils eine Galerie, welche sich in den darauffolgenden Jahren eine Art künstlerischer Symbiose bildeten.

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Seinerzeit der schon als Galerist etablierte Hubert Schwarz in ihm die Idee eine Galerie für Fotografie zu eröffnen, schließlich beschäftigte er sich schon seit seiner Jugend mit der Fotografie und hatte im Laufe der Jahre entsprechende Kontakte nach Osteuropa aufbauen können. Kontakte die er nun für seine Galerie nutzen sollte. Schon der Name der Galerie mit den drei Buchstaben STP verweisen auf seine Zeit als Student der Medizin in Leningrad, welches heutzutage wieder St. Petersburg heißt. Den langjährigen Aufenthalt in der Sowjetunion nutzte er aber nicht nur, um sich medizinisches Fachwissen anzueignen, sondern auch um seinem Hobby, der Fotografie zu frönen. Die damalige Zusammenarbeit mit anderen Fotografen aus der Sowjetunion sollte das Pfund sein, mit welchem die Galerie STP später punkten konnte, denn als Galerie mit dem Fokus auf osteuropäische Fotografie war sie nicht nur seinerzeit ein Exot in der deutschen Kunstszene.

Obwohl sich zahlreiche osteuropäische Namen in der Liste der Künstler der Galerie wiederfinden lassen, eine rein ausschließliche Fokussierung auf Künstler aus Osteuropa ist schon seit einigen Jahren nicht mehr wirklich gegeben. Ausstellungen mit Fotografien wie beispielsweise Walter Schels, Marcus Felix Hofschulz, Antonius, Alvin Booth und Thomas Hoepker verliehen der Galerie schon seit einigen Jahren einen weltoffenen Charakter, der seine künstlerische Internationalität auch auf die westliche Hemisphäre ausgedehnt hat. Den Weg dahin bereiteten dabei auch in Greifswald präsentierte Ausstellungen von osteuropäischen Künstlern wie den in New York lebenden Ulvis Alberts, der unter anderen für seine ikonischen Portraits von Muhammad Ali oder Marilyn Monroe weltweite Bekanntheit erlangte.

Mit den nun hundertfünfzig Quadratmetern Ausstellungsfläche des neuen Gebäudes hat die Galerie STP deutlich mehr Möglichkeiten, die Werke ihrer Künstler der Öffentlichkeit zu präsentieren, schließlich waren bisher größere Retrospektiven aufgrund der Platzkapazitäten nicht realisierbar. Auch die Art der Präsentation erfolgt nach Konzepten, welche auch auf den Messen praktiziert werden. Im oberen Bereich befindet sich eine kleine Lounge mit Sesseln, in denen man nicht nur bequem in verschiedenen Bildbänden blättern, sondern auch die Wirkung der gerahmten Bilder auf sich einwirken lassen kann. Diese Lounge bietet zudem eine Möglichkeit auch kleinere Ausstellungen präsentieren zu können. Für die erste Ausstellung in den neuen Räumlichkeiten bot diese Fläche aber etwas mehr Raum, um die Werke von Thomas Hoepker präsentieren zu können.

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Galerie STP - Thomas Hoepker - Strange Encounters

Galerie STP – Thomas Hoepker – Strange Encounters

Mit der Aussage I am not an artist. I am an image maker. charakterisierte Thomas Hoepker sich einmal selbst. Auch wenn er viele seiner Fotografien gelöscht haben sollte, eine Arbeitsweise, die er während der Vernissage freimütig zugab, mit denjenigen Bildern, welche er behielt, hat er seinen guten Ruf als Fotoreporter erarbeitet. Als ein Solcher zog er jahrzehntelang durch die Welt und arbeitete unter anderen für Magazine wie den Stern oder Geo. Seit 1976 lebt und arbeitet er in New York, von wo er extra für die Ausstellungseröffnung nach Greifswald gekommen sein soll. Diese ist mit Strange Encounters betitelt, ein Titel, der Programm ist, denn seltsame Begegnungen finden sich auf allen Bildern wieder und machen einen Rundgang durch die Ausstellung unterhaltsam. Entstanden sind diese zumeist skurrilen Momentaufnahmen während seiner Zeit als Bilderreporter in den verschiedensten Ecken und Winkeln der Erde.

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Seine Leica ließ Thomas Hoepker auch während der Vernissage nicht aus seinen Händen, und wahrscheinlich wird man sich irgendwann in einer Ausstellung wiederfinden, wie Alvin Booth, dessen Aktfotografien interessanterweise die Galerie STP zuvor präsentierte, und seiner Frau, welche Thomas Hoepker während einer Vernissage mit seiner Kamera festhielt. In Sichtweite dieses Bildes hielt Mario Scarabis vom Pommerschen Landesmuseum eine recht umfangreiche Rede, was bei über sechs Jahrzehnten Karriere als Fotograf verständlich ist. Interessant klang die Vorschau auf die kommenden Projekte, welche Peter Konschake an diesem Abend präsentierte. Unter anderem soll es in der der nächsten Zeit einen Bilderabend mit Fotografien aus Schottland mit einer dazu passenden Verkostung von schottischem Whiskysorten und einen Fotografieworkshop mit Antonius geben.