Neues Caspar-David-Friedrich-Logo für Greifswald

Caspar-David-Friedrich-Logo für Greifswald
Caspar-David-Friedrich-Logo für Greifswald

Zugegeben, die Aufgabe welche Anett Hauswald, die derzeitige Kulturamtsleiterin der Universitäts- und Hansestadt Greifswald am Abend des 10. Dezember hatte, war recht undankbar. Nach einer stundenlangen Sitzung waren die meisten Abgeordneten der Bürgerschaft mehr mit persönlichen Unterhaltungen und dem Packen ihrer Taschen beschäftigt. Das Ergebnis einer nach Angaben der Verwaltung anderthalb Jahre währenden Arbeit des extra für dieses Logo ins Leben gerufenen Arbeitskreises schaffte es jedenfalls nicht wirklich, bei vielen anwesenden Bürgerschaftsmitgliedern ein ernsthaftes Interesse zu wecken. Der besagte Arbeitskreis setzte sich in dem in der Vorstellung des Logos getätigten Angaben aus Vertretern der Hansestadt Greifswald, des Pommerschen Landesmuseums, der Universität und des Caspar-David-Friedrich-Zentrums zusammen. Das erklärte Ziel war es, die Hansestadt Greifswald mehr mit der Tatsache zu bewerben, der Gebotsort des berühmten Malers zu sein, was für diese ein Alleinstellungsmerkmal ist. Caspar David Friedrich hat zwar in einigen anderen Städten gelebt und gearbeitet, wie beispielsweise Dresden oder Kopenhagen, geboren ist er aber nur in Greifswald.

An diesem Ansatz ist an sich nichts auszusetzen, es bleibt aber die Umsetzung, die wohl alles andere als gut gelungen ist. Gewählt wurde für das neue Caspar-David-Friedrich-Logo eine Darstellung, die aus zwei Schriftzügen besteht. In der oberen Zeile steht gut lesbar Caspar David Friedrich, in einer recht altmodischen Schriftart Seit 1774. In Greifswald. darunter. Die hier gewählte Darstellung soll nach der Aussage von Frau Hauswald die Schrift der damaligen Zeit symbolisieren. Das Seit 1774. soll das Geburtsjahr Friedrichs symbolisieren, das In Greifswald. das oben erwähnte Alleinstellungsmerkmal Greifswalds, sein Geburtsort zu sein. Nur was will uns die Arbeitsgruppe mit Seit 1774. In Greifswald. sagen? Auf Nachfragen von Frau Socher begründete Frau Hauswald die Großschreibung des In mit dem Vorhandensein eines davor befindlichen Punktes. Schön und gut, aber wenn man hier die Regeln der deutschen Grammatik ins Felde führt, dann sollte man auch schon im Ansatz richtige Sätze formulieren.

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Seit 1774. In Greifswald. Was ist seit 1774? Was ist in Greifswald? Das neue Logo wirft mehr Fragen auf, als es zu erklären vermag. Mit Attributen von Jahreszahlen werben für gewöhnlich seit Jahrhunderten bestehende Firmen, die mit diesem Attribut auf ihre lange Existenz hinweisen. Seien es private Bankhäuser oder Familienunternehmen mit langer Tradition, bei diesen wäre es erklärbar, aber auch bei Caspar David Friedrich? Das Jahr 1774 war sein Geburtsjahr, gestorben ist er schon 1840. Auch die vielen authentischen Orte an denen nach Aussage der vorliegenden Pressemitteilung der Stadtverwaltung sein Leben und Wirken nachvollzogen werden kann, existierten schon lange vor seiner Geburt. Auch eine lange Tradition der Anerkennung, auf die man sich berufen könnte, ist nicht zu erkennen, denn die meisten seiner in Deutschland befindlichen Bilder dürften in der Hamburger Kunsthalle hängen und nicht im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald. Die Kernaussage dass Greifswald sein Geburtsort ist kann man aus In Greifswald. wohl nicht zweifelsfrei ableiten.

Die vom Greifswalder Grafiker Thomas Massow, Inhaber der hiesigen Grafikagentur progress4, gestaltete Logo soll laut der gezeigten Präsentation auch mit einigen Bildmotiven ergänzt werden können. Neben den Umrissen der berühmten Klosterruine Eldena waren auch einige Schiffe am Horizont sowie Silhouetten zweier Personen unter den vorgestellten Motiven. Genaugenommen ist das, was den Bürgerinnen und Bürgern gestern Abend als Logo verkauft werden sollte, überhaupt kein richtiges Logo, sondern nur eine einfache Wortmarke. Zudem besitzt es einen deutlichen Makel, denn es ist bei einer Verkleinerung auf zwanzig Millimetern Breite nicht mehr eindeutig erkennbar. Während das Caspar David Friedrich die notwendigen Ansprüche an die Lesbarkeit noch erfüllen kann, ist es bei der unteren verschnörkelten Schrift nicht mehr der Fall. Und dafür brauchte man anderthalb Jahre?