Die Ostseefestspiele mutieren zu Ahoi – Mein Hafenfestival

Ostsee-Festspiele
Ostsee-Festspiele

Über 355125 Besucher konnten sich die Störtebeker Festspiele freuen, deutlich mehr als das Zehnfache derjenigen Ticketverkäufe, mit denen sich das Theater Vorpommern bei ihren Ostseefestspielen zufrieden geben musste. Offensichtlich hatte das Publikum der Störtebeker Festspiele kein Problem mit der Bezeichnung Festspiele, ein Problem unter dem das Theater Vorpommern angeblich zu leiden hat, falls man den Worten des Intendanten Glauben schenken dürfte, die er bei seiner Stellungnahme auf der letzen Aufsichtsratssitzung des Theaters fand, als er zu diesem Anlass seine Entscheidung zur Namensänderung des sommerlichen Open-Air-Theaters begründen musste. Und diese Begründung klang doch recht abenteuerlich, denn anstatt die Schuld bei sich und eventuellen falschen Entscheidungen zu suchen, war es das Publikum, welches für die schlechte Resonanz der Ostseefestspiele verantwortlich war, weil es angeblich mit der Bezeichnung Festspiele eher Konzerte mit klassischer Musik verbinden soll. Wenn man sich einmal etwas in Mecklenburg-Vorpommern umschaut, fällt auf das die meisten Open-Air-Theater die Bezeichnung Festspiele im Namen tragen und nicht über ein ähnlich schlicht strukturiertes Publikum verfügen, unter welchem das Theater Vorpommern leiden muss.

Ob Störtebeker Festspiele in Ralswieck (Schauspiel), die Festspiele im Schlossgarten Neustrelitz (Operette), die Schlossfestspiele Schwerin (Oper), die Vineta-Festspiele in Zinnowitz (Schauspiel) , die Hafenfestspiele Usedom (Schauspiel), die zum ersten Mal veranstalteten Jedermann Festspiele in Wismar (Schauspiel) oder die Darß-Festspiele in Wieck (Schauspiel), Festspiele dominieren die Bezeichnungen der größeren Open-Air-Aufführungen in Mecklenburg-Vorpommern, bei denen einzig das Piraten-Open-Air in Grevesmühlen (Schauspiel) und die Müritz-Saga in Waren (Müritz) namentlich aus der Reihe tanzen, da diese ähnlich wie Störtebeker Festspiele Jahr für Jahr eine Geschichte weitererzählen und daher bei ihren jeweiligen Namensgebungen den Schwerpunkt auf diesen Aspekt legten. Weshalb das Publikum in Greifswald, Stralsund, Heringsdorf, Sellin und Ribnitz-Damgarten im Gegensatz zu den anderen Theaterstandorten ein Problem damit haben soll, mit dem Wort Ostseefestspiele Open-Air-Theateraufführungen zu verbinden, wie es die Meinungsforscher herausgefunden haben wollen, die das Theater Vorpommern für die Entscheidungsfindung herangezogen hat, klingt schon bei oberflächlicher Betrachtung nicht plausibel. Schon allein das seit zwei Jahren verwendete Logo lässt nur Assoziationen mit einem Zirkus zu, denn wo, außer in einem Zirkuszelt, verwendet man brennende Reifen?

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Schon die geringe Resonanz der Aufführung von Keine Leute, Keine Leute hätte zu einem Umdenken führen und dass populärere Stücke inszeniert werden müssen. Was aber kam, war Die Abrafaxe und das Geheimnis der Zeitmaschine, ein Stück ,welches den eigenen hohen Ansprüchen nicht genügte, um auch im nächsten Jahr mit einer Fortsetzung in den Spielplänen erscheinen zu können. Die deutlich gelungenere Inszenierung des Musicals Der Zauberer von Oz . Während dieses Stück nur vierzehnmal aufgeführt wurde, standen die Abrafaxe zweiundzwanzigmal auf der Bühne, was letztendlich auch zu dem schlechten Ergebnis führte, welches zudem durch die ungünstig gelegten Termine verstärkt wurde, denn mit einer völlig spontan veranstalteten Fussballweltmeisterschaft, die dann leider auch das übliche Theaterpublikum vor die Bildschirme lockte, konnte wohl niemand rechnen, schon gar nicht ein Theaterintendant. Während sich die übrigen Open-Air- Theater über steigende Besucherzahlen freuen konnten, blieb einzig das Theater Vorpommern hinter den eigenen Erwartungen zurück.

Dass nun bei der Bezeichnung der Veranstaltung die Schuld gesucht wurde, wirft kein allzu gutes Licht auf die Intendanz, denn niemand außerhalb dieser kann die Entscheidung der Umbenennung nachvollziehen. Nach Aussagen des Aufsichtsrates gehört diese Entscheidung leider auch zur besagten künstlerischen Freiheit, die einem Intendanten zugestanden wird, der nicht nur das Ensemble auswählen und Spielpläne aufstellen, sondern auch den öffentlichen Auftritt des Theaters bestimmen kann. Und dazu gehört leider auch den in den letzten Jahren unter die Räder geratenen Ostseefestspielen einen für die meisten Leute lächerlich klingenden Namen geben kann. So bleibt für die Existenz des Theater Vorpommern nur zu hoffen, dass sich das Publikum vom neuen Namen nicht abschrecken lässt und die Aufführungen des Singspiels Im weißen Rössl, der Wiederaufnahme von Der Zauberer von Oz sowie dem zusammen mit der der Stettiner Oper inszenierten Rock’n Ballet trotzdem besucht, obwohl es dort , wie der maritime Name vermuten lässt, keine Horden von Shantychören erwarten wird.