Tag des offenen Denkmals 2019 – Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur

Wolfgang Frankenstein - Studenten in der sozialistischen Gesellschaft
Wolfgang Frankenstein - Studenten in der sozialistischen Gesellschaft

Es gab mal Zeiten, da war die Steinbeckerstraße eine der besten Adressen in Greifswald. Heutzutage zeugen noch einige historische Gebäude vom Wohlstand der einstigen Erbauer. Seit kurzem kann sich das Haus Steinbeckerstraße 35 zu diesen Gebäuden zählen, denn dank einer aufwendigen Sanierung erstrahlt es nun wieder im alten Glanz. Vor anderthalb Jahren bot es noch ein Bild des Grauens. Die Fassade bröckelte, die Fenster waren vernagelt und Schmierereien zierten das Haus wo das Auge nur hinsah. Dass es sich bei diesem Gebäude um eines der wertvollsten Greifswalder Bürgerhäuser handeln sollte, war für Außenstehende schwer vorstellbar. Ein Grund lag wohl auch in der Vereinfachung der klassizistischen Fassade, welches dem Haus so einiges vom einstigen Glanz nahm. Glücklicherweise sind viele Details im Inneren erhalten geblieben, neben den Malereien stammen die Türen und das Treppenhaus aus der Erbauungszeit. Bauherr war seinerzeit Balzer Peter von Vahl, dessen Familie mit dem Kornhandel reich geworden ist und mit Balzer Peter Vahl, dem Vater des Bauherren, einen Bürgermeister stellte. Den Vahls gehörten seinerzeit die Güter Brünzo,w Gahlkow und Stilow auf der anderen Seite des Greifswalder Boddens. Balzer Peter von Vahl wiederum gehörte übrigens zu den Mitbegründern der Greifswalder Schiffergesellschaft.

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Als er sich Anfang des 19. Jahrhunderts sein neues Domizil errichten ließ, war es Johann Gottfried Quistorp, der sich für die Fassadengestaltung verantwortlich zeigte. Dieser war seinerzeit nicht nur Universitätsbaumeister, sondern trat auch als Zeichenlehrer von Caspar David Friedrich in Erscheinung. Seinen Wohlstand zeigte der Bauherr auch bei der Innengestaltung des Hauses, die mit aufwendigen Malereien aufwarten konnte. Diese sind erhalten geblieben, wieviel von diesen zu sehen sein wird, kann man bei einer Besichtigung des Gebäudes sehen, welches am Tag des offenen Denkmals in der Zeit von 13:30 bis 17:00 Uhr geöffnet sein wird. Führungen durch das Haus werden nach Bedarf angeboten. Der Architekt David Kastner von der Tangram Planwerkstatt und der Restaurator Hans Henning Bär werden diese durchführen. Die Tangram Planwerkstatt ist übrigens auch bei der Sanierung des Saales im zukünftigen Kultur- und Initiativenhaus (StraZe) verantwortlich, wo um 14:00, 15:00 und 16:00 Uhr Führungen durch das Haus angeboten werden. In den letzten Jahren stand der Wohnbereich des Gebäudekomplexes im Fokus der Aufmerksamkeit. Da dieser nun schon seit längerem bewohnt ist, fließt das Engagement nun in den großen Saal, dessen Baufortschritt ein großes Interesse verursachen dürfte.

Studenten in der sozialistischen Gesellschaft lautet der Titel eines zweiundzwanzig Meter breiten Monumentalbildes, mit dem die alte Mensa Mitte der 70er Jahre durch Wolfgang Frankenstein ausgestattet wurde. Unter dem Motto Raumteiler? Pinnwand? – die Studenten in der sozialistischen Gesellschaft referiert um 11:00 Uhr Thilo Habel von der Kustodie Universität Greifswald in der alten Mensa über das Wandbild. Zur selben Zeit berichtet die Grabungsleiterin Renate Samariter in ihrem Vortrag Die Ausgrabungen im Jahre 2019 im Greifswalder Franziskanerkloster – von Totenkronen bis Kleingeld über die Grabungsergebnisse im Bereich der zukünftigen Galerie der Romantik. Um 10:00 Uhr bietet der Bürgerschaftssaal des Rathauses einige interessante Vorträge, die mit dem Thema des diesjährigen Tags des offenen Denkmals Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur zu tun haben. Der Bauhistoriker André Lutze referiert über Greifswalder Bausteine: Die Modernisierung des Backsteins – vom Klosterformat zum Industrieziegel und der Superintendent i. R. Rainer Neumann zum Thema Umbrüche im Baubestand der katholischen Gemeinde Greifswalds – Zur Geschichte des Hauses Bahnhofstraße 6.

In diesem Jahr gibt es anschließend ab 12:30 Uhr wieder mehrere thematische Führungen. Felix Schönrock Route beschäftigt sich mit der Fassadenentwicklung in Greifswald vom Klassizismus zur Gründerzeit, die von André Lutze mit ausgewählten denkmalgeschützten Objekte in der Altstadt und wer mit Thilo Kaiser um die Häuser geht, macht dies unter dem Motto Experimentelles Bauen in der DDR – Die Umgestaltung eines Greifswalder Altstadtgebietes in den 1970/80er Jahren. Vor fünfzehn Jahren wurde im ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus der Familie Friedrich das Caspar-David-Friedrich-Zentrum eingerichtet. Anlässlich dieses Jubiläums wird um 14:00 Uhr im sogenannten Familienkabinett eine Sonderausstellung eröffnet, welche das Jubiläum zum Anlass nimmt, die Geschichte des Caspar-David-Friedrich-Zentrum etwas näher zu beleuchten. Unter anderem mit Führungen durch das Gebäudeensemble, um 13:00 und 17:00 Uhr, welche vom Keller bis zum Dachboden reichen sollen und die Gestaltung vom Barock zum Klassizismus beleuchten, ist das St. Spiritus beim Tag des offenen Denkmals vertreten, welcher in diesem Jahr ein dankbares Thema hat.



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