Theater Vorpommern – Pur Brel

Theater Greifswald
Theater Greifswald

Im Theater Vorpommern singt der Chef noch selbst, zumindest die Chansons von Jacques Brel. Interessanterweise bildet dieses Programm, bei dem man Dirk Löschner, den neuen Intendanten des Theater Vorpommern, zum Mal live auf der Bühne erleben kann, die Moderation zum Spielzeitbeginn lassen wir mal unter den Tisch fallen, einen sogenannten roten Faden in seiner Karriere. Mit ebendiesen französischen Chansons, mit welchen er sich den Theaterfreunden in Vorpommern vorstellen möchte, verabschiedete er sich auch von seinen früheren Engagements als Intendant des Landestheater Detmold beziehungsweise des Theaters der Altmark in Stendal. Das bietet zumindest ausreichend Gelegenheit die Stimmen der Theaterkritiker zu vernehmen, welche für die in den in den letzten Jahren absolvierten Auftritten höchst positive Meinungen abgaben. Dass man in diesem Monat auch seine Qualitäten als Regisseur zu sehen bekommt, dürfte sich seit der offiziellen Ankündigung, Carson McCullers Erzählung Die Ballade vom traurigen Café aufzuführen, herumgesprochen haben. Einen Einblick in das Stück bekommt man übrigens schon am 14. September im Rahmen der Greifswalder Kulturnacht, bei der man bei einer öffentlichen Probe dabei sein kann.

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Ein gewisses Interesse an französischer Kunst und Kultur könnte man schon an seinem Lebenslauf erkennen wollen. Nach einem Studium an der bekannten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, ging er als Stipendiat der französischen Regierung an das Conservatoire National Supérieur d’Art Dramatique wo er mit Ariane Mnouchkine, Daniel Mesguich und Mario Gonzalez sehr bekannte Lehrer bei seinem dortigen Schauspielstudium vorfand. Die im Jahre 1784 gegründete Schauspielschule gilt als die älteste und bedeutendste Einrichtung in Frankreich, unter anderem waren übrigens auch Sarah Bernhardt oder Jean-Paul Belmondo Absolventen dieser Hochschule. Und wenn man schon in Frankreich ist, kommt man garantiert auch mit der dortigen Musik stärker in Berührung, schließlich gibt es keine französischere Musik als die Chansons, deren bekannteste Interpreten man auch in Deutschland kennt. Gilbert Bécaud, Serge Gainsbourg, Charles Aznavour, Édith Piaf und natürlich Jacques Brel.

Im Gegensatz zu vielen anderen Chansonsängern, welche nur bekannte Stücke anderer Musiker vortrugen, legte Jacques Brel stets wert auf eigene Lieder. In diesem verarbeitete er auch zahlreiche eigene Erfahrungen. Ne me quitte pas, eines seiner bekanntesten Chansons, soll seiner mit unzähligen Trennungen und Versöhnungen geprägten Beziehung mit Suzanne Gabriello zugrunde liegen. Wie dieses Lied besitzen auch zahlreiche Lieder seines Spätwerks eine große Dramatik, die von den Interpreten eine hohe Bühnenpräsenz verlangen, um die in den Chansons vorkommenden Empfindungen bildlich ausdrücken zu können. Lieder wie J’arrive oder Le Vieux drücken die Verzweiflung aus, die Brel vor dem Älterwerden hatte. In Le Gaz oder Les Bourgois spottet er mit spitzer Zunge über die Scheinheiligkeit des Bürgertums, Wut und Enttäuschung hört man in Ne me quitte pas und Madeleine. Um die Lieder Brels zu verstehen muss man nicht unbedingt französisch sprechen können, die Dramatik in seinen Liedern spricht für sich allein.

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Die Premiere von Pur Brel am Theater Vorpommern wird am 21. November 2012 im Rubenowsaal in der Greifswalder Stadthalle stattfinden. Zwei Tage später können auch die Theaterbesucher auf der Insel Rügen die sängerischen Leistungen unseres neuen Theaterintendanten beurteilen, wenn im Theater Putbus der Vorhang für Pur Brel fällt. In der Hansestadt Stralsund muss man sich leider etwas länger gedulden, denn der erste Auftritt im dortigen Gustav-Adolf-Saal wurde erst für den 28. Dezember angekündigt.

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Premiere
21. November 2012
20:00 Uhr
Theater Greifswald